TOTENTANZ DER HEXEN
(THE DEVONSVILLE TERROR, USA, 1983, Regie: Ulli Lommel)
Im Jahre 1683 werden in Devonsville, Massachusetts, drei Frauen der Hexerei angeklagt und von einem Mob gefoltert und hingerichtet. 300 Jahre später besuchen drei Frauen das kleine, beschauliche Devonsville, was weiterhin von konservativen und intoleranten Farmern bewohnt wird.
Jenny tritt einen Job als Lehrerin an, Monica wird Radiomoderatorin im lokalen Sender und Chris ist eine Umweltschutzbeauftragte, die die Wasserqualität eines Sees prüft. Während die Männer anfänglich noch Interesse für die Frauen zeigen, wenden sie sich schnell ab, als sie merken, dass sie bei den emanzipierten Frauen nicht landen können. Es kommt zu sonderbaren Zwischenfällen, die die Dorfbewohner langsam glauben lassen, dass sie ein Fluch der Vergangenheit einholt.
Hexenverbrennungen im 17. Jahrhundert verbinde ich nicht unbedingt mit dem US-Horror-Kino der 80er-Jahre. Noch weniger erwarte ich, dass Ulli Lommel dieses düstere Kapitel in der Menschheitsgeschichte anpackt. Natürlich tut er dies auf seine Art, und die ist ziemlich exploitativ mit nacktem Fleisch und sadistischen Tötungen, die den Film zumindest eröffnen (und abschließen). Danach gibt es einen Zeitsprung ins 20. Jahrhundert, in dem das kleine Städtchen Devonsville seine düstere Vergangenheit längst vergessen hat. Es erwartet einen ein Ort (gedreht wurde in Wisconsin, USA), den man schon in zahlreichen Horrorfilmen betreten hat. Ein typischer Kleinstadt-Kosmos erwartet einen, wie man ihn z.B. von Stephen King kennt. Die anfänglichen Grausamkeiten werden zurückgefahren und man konzentriert sich auf die Figuren, die allmählich einführt werden.
Der Look ist grob und erinnert mehr an eine Produktion aus den 70er-Jahren. Obwohl man dem Film sein schmales Budget ansieht, schafft es Lommel eine dichte, herbstliche Atmosphäre zu erzeugen, am Tag wie in der Nacht. Horror-Stimmungen erzeugen kann er, was er schon mit THE BOOGEY MAN (1980) bewiesen hat, und hier gelingt ihm sehr gut der Spagat zwischen 17. und 20. Jahrhundert. Inspiriert wurde Lommel, der mit seiner Frau Suzanna Love und George T. Lindsey das Drehbuch schrieb, von echten Hexenprozessen in Massachusetts, bei denen zwischen 1692 bis 1693 20 Menschen wegen angeblicher Hexerei verurteilt und hingerichtet wurden. Letztlich ist das alles nichts Neues, und niemand hat schöner den Fluch einer Hexe in Bildern gemeißelt als Mario Bava mit DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT, und das 23 Jahre vorher. Danach kamen vor allem Tigon, Hammer und Co und auch die Deutschen mit dem Hexen-Thema um die Ecke. Doch Lommel schafft es, dem Thema einen eigenen Stempel aufzudrücken, baut feministische Themen ein, portraitiert die Engstirnigkeit der Landbevölkerung, liefert eine dichte Atmosphäre und denkt sogar hin und wieder an die Gore- und Folter-Freunde.
Die meisten Darsteller, die hier auftauchen, sind unbekannt, abgesehen von Robert J. Walker (EASY RIDER, 1969) und Suzanna Love, die Lommel bereits in THE BOOGEY MAN besetzte. Doch für einen großen Star sollte doch noch Platz sein. Nachfahre der Inquisition ist nämlich der von mir hoch geschätzte Donald Pleasence als Doktor Warley, aus dessen Wunden am Arm immerzu Maden kriechen, da er an einer mysteriösen Erbkrankheit leidet. Ein simpler, aber ekelhafter Effekt. Außerdem ist er Hypnotiseur und dem Okkulten aufgeschlossen. Also eine Rolle, die für Pleasence nicht passender sein könnte. Das macht ihn zum Highlight unter der Besetzung.
TOTENTANZ DER HEXEN ist ein kaum besungenes Kapitel in der Filmografie von Ulli Lommel, was es durchaus wert ist wieder, bzw. neu entdeckt zu werden. Besonders Fans von Rob Zombies Hexen-Horrorfilm LORDS OF SALEM (2012) sollten hier mal reingucken.
(Bjoern Candidus)
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