OLIVIA – IM BLUTRAUSCH DES WAHNSINNS
(OLIVIA, USA, 1983, Regie: Ulli Lommel)
Nachdem die kleine Olivia mit ansehen musste, wie ihre Mutter von einem Freier umgebracht wird, vergehen 15 Jahre. Inzwischen hat Olivia Richard geheiratet. Dieser behandelt sie allerdings sehr schlecht und möchte nicht, dass sie einen Job annimmt. Er zwingt sie sogar zum Sex. Hinter seinem Rücken arbeitet sie heimlich als Prostituierte, wie einst ihre Mutter. Eines Abends lernt sie den Architekten Michael Grant aus Los Angeles kennen, der sich aus beruflichen Zwecken in London die London Bridge anschauen muss. Olivia lässt sich auf eine Affäre mit Michael ein, die darin endete, dass ihr Mann Richard die beiden am Ufer der Themse erwischt. Es kommt zu einem Kampf zwischen den beiden Männern, bei denen Richard in die Themse fällt. Darauf hin verschwindet Olivia aus dem Leben beider Männer. Vier Jahre vergehen, in denen sie nach Arizona zieht, wo sie schließt wieder auf Michael trifft. Als sie sich wieder auf einander einlassen, holt Olivia der Schatten ihrer Vergangenheit ein.
Zwischen seinen beiden sehr ordentlichen Horrorfilmen THE BOOGEY MAN (1980) und TOTENTANZ DER HEXEN (1983) hat Ulli Lommel diesen sonderbaren Horror-Psycho-Thriller gefrickelt, der irgendwo zwischen Kunst und Kommerz angesiedelt ist. Statt eines durchaus derben Geister-Horrorfilms wie THE BOOGEY MAN, liefert Lommel mit OLIVIA eher eine Antwort auf Filme wie PSYCHO (1960), PEEPING TOM (1960) und MANIAC (1980), leider ohne deren Qualitäten zu kopieren. Das Hauptproblem von OLIVIA ist nicht die wenig überraschende Story, die zudem einige Fragen aufwirft, und nicht die Darsteller, sondern die Art, wie hier Szenen in die Länge gezogen werden. Obwohl man sich im Rahmen von gut 84 Minuten bewegt, hatte ich das Gefühl, eine halbe Stunde länger zu sitzen. Das liegt vielleicht auch daran, dass sich der Film sehr genau in zwei Teile spaltet. Die erste Hälfte ist der London-Part mit der kurzen Rückblick-Szene in Olivias Kindheit, wo sie den Mord an ihrer Mutter durch ein Schlüsselloch beobachtet. Dieser Teil ist sehr düster und deprimierend. Man begleitet Olivia durch den grauen Alltag in einer englischen Arbeitersiedlung, wo sie von ihrem Ehemann drangsaliert wird. Die zweite Hälfte des Films ist in Arizona angesiedelt, und dieser Part erstrahlt im Lichte der Sonne. Ein Kontrast wie Tag und Nacht, was eigentlich kein Problem wäre, hätte Lommel hier das Tempo erhöht oder wenigstens die anfängliche Spannung erhalten. Egal, in welche Richtung sich der Film entwickelt, die Sauerstoffarmut macht sich breit. Lommels damalige Ehefrau Suzanna Love spielt Olivia. Die Frau am Rande des Wahnsinns steht ihr durchaus gut zu Gesicht. Weniger überzeugend ist Robert Walker Jr., der die Langeweile zusätzlich befeuert. Jeff Winchester ist als Olivias Ehemann Richard lediglich das Abziehbild eines ekligen Typens, aber das funktioniert zumindest. Ansonsten ist noch Ulli Lommel selbst vertreten, sowie Suzannas Bruder Nicholas Love.
Manchmal fragte ich mich auch, ob Ungereimtheiten einer Schlampigkeit des Drehbuchs geschuldet waren oder einer Art Absicht Lommels unterlagen. Einiges ist sonderbar, und wäre es nicht so langweilig inszeniert, würde es mich viel weniger stören. Das Ende wirft nämlich eine durchaus interessante Frage auf.
Neben ein paar mitunter sadomasochistischen Softsex-Einlagen, gibt es ein bisschen Gore, der aber kaum der Rede wert ist. Hier hätte man durchaus mehr rausholen können, statt Minuten mit Nichts zu dehnen. Aber wenigstens bleibt eine Sache konstant gut: der Score von Joel Goldsmith, dem Sohn des großen Jerry.
OLIVIA – IM BLUTRAUSCH DES WAHNSINNS war sicher gut gemeint, wurde aber leider schlecht umgesetzt. Gute Ansätze sind zu erkennen, aber die Trägheit der Inszenierung erstickt sie fast komplett.
(Bjoern Candidus)
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