LUX ÆTERNA
(Frankreich, 2019, Regie: Gaspar Noé)
Gaspar Noé hat es mal wieder geschafft, mich fertig zu machen. Nach seinen Filmen fühle ich mich immer völlig erschlagen und muss erst mal durchatmen, und bei LUX ÆTERNA war es nicht anders.
Nach einer Einführung über die Hexenverfolgung, anhand von Filmausschnitten aus HÄXAN (1922) und DIES IRAE (1943), bekommt man Beatrice Dalle als Beatrice Dalle und Charlotte Gainsbourg als Charlotte Gainsbourg serviert, die in einer Studiokulisse sitzen und sich über über Männer, Gott, Hexenverfolgung, Orgasmen und vorherige Rollen, die sie gespielt haben, unterhalten. Mehr hätte ich 50 Minuten eigentlich gar nicht gebraucht, aber doch folgte nach diesen anregenden Minuten ein Inferno, was ich nicht missen möchte. Es folgt eine Szene zwischen dem Produzenten und dem Kameramann, die offensichtlich ein großes Problem mit Beatrice Dalle haben, die hier als Regisseurin ihren ersten Film abdreht. In diesem geht es um Hexenverfolgung mit anschließender Verbrennung. Passend dazu bietet der Produzent dem aufgebrachten Kameramann an, Dalle von einem Spitzel permanent zu filmen, bis sie einen Fehler macht, der ihr den Kopf kostet, um sie zukünftig loszuwerden. Noé fängt die überhitze, aggressive und hektische Atmosphäre perfekt ein. Die meiste Zeit präsentiert sich der Film im Splitscreen, was die Inszenierung zusätzlich lebendig, aber auch unruhig macht. Und Unruhe ist genau das Thema. Wenn sich Beatrice Dalle kinskiartig in Rage redet und explodiert, ist das ein wahres Fest. Die Frau ist einfach toll und hier perfekt aufgehoben. Nicht minder gut aufgehoben ist Charlotte Gainsbourg, die als Darstellerin der Hexe fungieren soll. Die ist auch etwas neben der Spur und bekommt in all dem Chaos per Telefon von ihrer kleinen Tochter mitgeteilt, das zwei andere Kinder ein Kreuz in ihre Vagina ritzen wollten. Aber auch für sowas ist keine Zeit und so wird Gainsbourg weiter zum Set getrieben, auf dem sie als Hexe verbrannt werden soll. Parallel zu alldem sind auch ein paar Amerikaner anwesend. Ein aufstrebender Regisseur, der zwei Damen dabei hat, die ebenfalls als Hexen dienen. Er hat eigentlich nichts anderes im Sinn, als seine eigene Karriere voranzutreiben, möglichst mit Charlotte Gainsbourg.
Das hektische Treiben, in dem man kaum Zeit zum atmen hat, läuft auf eine Stroboskop-Folter für das Filmteam und den Zuschauer hinaus, vor dem bereits zu Beginn gewarnt wird. Epileptiker sollten LUX ÆTERNA bloß nicht einschalten. Aber auch für mich, als nicht Epileptiker, ist dieses Inferno eine Tortur gewesen. Noé malträtiert nicht nur den Geist, sondern auch den Körper, und kaum ein anderer Regisseur versteht es so gut, Aggressivität in Bild und Ton festzuhalten. Alles gerät außer Kontrolle, und das Thema des Films, der gedreht werden soll, wird plötzlich zu einer übergreifenden Realität. Zauberhaft.
Was ursprünglich mal als Werbeclip für Yves Saint Laurent geplant war, wurde von Noé zu einem weiteren Monster, was sich diesmal auf die Filmindustrie selbst stürzt, um sie zu zerfleischen. Er hätte sich ruhig noch länger dafür Zeit nehmen können, aber was er hier unter einer Stunde abliefert, ist pure Energie.
LUX ÆTERNA ist kurz und schmerzvoll.
(Bjoern Candidus)
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