DER STACHEL
(GLI AMICI DI NICK HEZARD, Italien, 1976, Regie: Fernando di Leo)
Fernando di Leo wandelt hier auf den Spuren von George Roy Hills oscarprämierter Gangster-Komödie der DER CLOU (1973) und schickt Luc Merenda als Nick Hezard, einem sympathischen Dieb und Betrüger, ins Rennen, der sich an einem stinkreichen Gangsterboss rächen will, der seinen Freund und Kollegen auf dem Gewissen hat. Er wird verhaftet und eingesperrt, doch in Wirklichkeit wurde dieser Akt nur inszeniert. Der Großkriminelle Robert Clark, der auf den Namen „der Amerikaner“ hört, wird von dem wunderbaren Lee J. Cobb (DER EXORZIST, 1973) verkörpert, der kurz nach der Produktion verstarb. Hier schien es ihm bereits weniger gut zu gehen, er wirkt fast wie ein Fremdkörper. Dafür ist mir Luc Merenda selten so locker und verspielt begegnet. Fast nebensächlich erscheinen die Auftritte von Dagmar Lassander und William Berger. Zum Ausgleich gibt es ein Wiedersehen mit Umberto Raho (DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN HANDSCHUHE, 1970), Valentina Cortese (AUGE UM AUGE, 1975), Gabriele Ferzetti (DER NACHTPORTIER, 1974) und Fred Williams (NACHTS, WENN DRACULA ERWACHT, 1970).
Für die richtigen Töne sorgt der Score von Luis Bacalov, der das wilde Treiben unterstreicht. Bewegung kommt hier nämlich ordentlich auf, was vor allem an den vielen Splitscreen-Szenen liegt, die zwar gut wirken, aber manchmal zu viel des guten sind. Wendungen, Verfolgungen und die vielen unterschiedlichen Schauplätze in Rom und die wenigen Aufnahmen in der Schweiz, bringen Schwung in die Inszenierung. Bedenkt man jetzt noch das Handlungsgeflecht, was etwas zu konstruiert und holprig wirkt, ist es die Hektik, die einem die Sache etwas verderben kann. Man findet überall gute Ansätze und Ideen, die aber auch oft sehr aufgesetzt wirken oder im schlimmsten Fall in sich zusammenfallen. Zudem liegt zu oft der Humor zu dicht bei der Ernsthaftigkeit, was einen komischen Geschmack ergibt.
Verglichen mit Fernando di Leos großen Filmen wie NOTE 7 – DIE JUNGEN DER GEWALT (1969), MILANO KALIBER 9 (1972) oder DER MAFIA-BOSS (1972), bei denen er sich auch als geistiger Vater des Drehbuchs zeigte, ist DER STACHEL eher halbgar, obwohl er unter dem Strich unterhält.
(Bjoern Candidus)
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