FRANKENSTEIN ’80
(Italien, 1972, Regie: Mario Mancini)
Professor Schwarz ist im Besitz des einzigen Glases mit einem Serum, was transplantierte Organe in fremden Körpern davon abhält, abgestoßen zu werden. Und genau dieses Serum braucht Doktor Frankenstein für seinen künstlich erschaffenen Menschen, dessen Organe immer wieder abgestoßen werden. Sein geschaffener Mensch, den er liebevoll Mosaik getauft hat, macht zudem Probleme, denn er neigt zum vergewaltigen und töten, was die Polizei auf den Plan ruft.
Mario Mancini entführt einen in seiner einzigen Regiearbeit in die Welt der zahlreichen Frankenstein-Filme, in denen der weltberühmte Doktor nicht mal immer zugegen ist. Hier ist er allerdings zugegen, und sein Vorname lautet Otto. Dr. Otto Frankenstein wird von Gordon Mitchell verkörpert, der mit seinen 1,90 m und seiner ekelhaften Frisur auch gut selbst sein Monster hätte spielen können. Das Monster wird von Xiro Papas gespielt, der mit seinem vernarbten Gesicht und seinem Ledermantel und Hut ziemlich verstörend daherkommt. Mosaik, der aus unterschiedlichen Leichenteilen zusammengeflickt wurde und ständig auf neue Transplantationen lebenswichtiger Organe angewiesen ist, geht ganz schön ruppig vor. Mal erschlägt er eine hilflose Fleischfachverkäuferin mit einem riesigen Tierknochen, dann vergewaltigt er eine Prostituierte oder lässt seine schlechte Laune anderweitig aus. An Blut und Innereien mangelt es wahrlich nicht, und Mancini gelingt es, seine morbide Atmosphäre kontinuierlich aufrecht zu erhalten. Zudem gibt es auch immer wieder gelungene Horror-Szenen, die gut ausgeleuchtet wurden und sich mit einer schönen Farbgebung schmücken. Manch finstere Gasse lässt sogar das Giallo-Kino aufblitzen, aber man ist ja auch in Italien, auch wenn im Film behauptet wird, man sei in Deutschland.
Aber FRANKENSTEIN ’80 hat auch Schattenseiten, und die Schmerzen der Inszenierung immerzu. Trotz Gordon Mitchell, John Richardson, Renato Romano und Dalila Di Lazzaro sind die Figuren ein absoluter Graus. Besonders die Polizei, die hier fleißig vertreten ist, wird wie ein Trupp Vollidioten dargestellt, was die Inszenierung immer wieder Richtung Komödie lenkt, bevor der nächste blutige Moment kommt. Das Hin und Her macht den Film etwas anstrengend. Hätte Mancini in den ständigen Ermittlungs-Szenen, die sich vor allem im Büro des Oberinspektors abspielen, einen ernsteren Ton angelegt, wäre das Gesamtbild besser ausgefallen. Stattdessen bekommt man an einer Tour dumme Dialoge und noch dümmere Gesichtsausdrücke geliefert. Entschädigung kommt dann wieder durch den facettenreichen Score von Daniele Patucchi.
FRANKENSTEIN ’80 ist eine zwiespältige Angelegenheit, die sich aber durch ihre düstere Atmosphäre und einigen ziemlich blutigen und unangenehmen Szenen retten kann. Die dümmlichen Figuren kann man sich allerdings trotzdem nicht wegdenken.
(Bjoern Candidus)
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