ENDGAME – DAS LETZTE SPIEL MIT DEM TOD
(ENDGAME – BRONX LOTTA FINALE, Italien, 1983, Regie: Joe D‘Amato)
50 Jahre sind vergangen, nachdem ein Atomkrieg fast die gesamte Menschheit ausradiert hat. Nur wenige haben die Katastrophe überlebt, und ihre Nachfahren haben sich teilweise durch die Strahlung verändert. Ein Mutanten-Volk ist herangewachsen, was den Nicht-Mutanten ein Dorn im Auge ist. Doch die größere Gefahr geht von dem totalitären Regime aus, was seinen Security Service, kurz SS losschickt, um Jagd auf Mutanten und Widerständler zu machen. Aber auch an die Unterhaltungsindustrie wird gedacht, denn es finden Gladiatorenkämpfe statt, damit das Volk unterhalten wird. Als der Mehrfachsieger Shannon in die Gewölbe der Kampfzone vordringt, läuft ihm die Mutantin Lilith über den Weg, die ihn bittet, sie und ihre Freunde aus der Stadt zu schmuggeln und ihn dafür mit Gold zu belohnen.
Joe D‘Amato wollte es im Jahre 1983 endzeitlich gleich doppelt wissen und schob nach 2020 – TEXAS GLADIATORS nach ENDGAME hinterher. D‘Amato liefert einen Potpourri aus ESCAPE FROM NEW YORK (1981), MAD MAX 2 (1981), THE RIFFS (1982) , THE RIFFS 2 (1983), FIREFLASH (1983) und allen anderen Zutaten, die sämtliche Endzeitfilme jener Tage beinhalteten. Autos mit Aufbauten, Motorräder, Gewölbe, Fabriken und karge Landschaften, Schießereien, kleinere Explosionen und Kämpfe mit Äxten und Macheten geben den Takt an. An Blut wurde auch gedacht, und es gibt ein paar derbe Einlagen. Dafür muss man Abstriche in der Qualität des Make-ups machen. Die Affengesicht-Mutanten, die sich manchmal zeigen, sind ziemlich armselig, und in Sachen Kostüm-Ausstattung reicht ENDGAME leider nicht ganz an seine Kollegen heran. Dafür darf man sich auf ein Zusammentreffen und einen Zweikampf zwischen Al Cliver als Ron Shannon und George Eastman als Kurk Karnak freuen, die hier beide megacool aussehen. Al Cliver in einer Hauptrolle ist schon ein besonderer Spaß. Ganz in Leder gekleidet kämpft er sich von Ort zu Ort, bis ihm George Eastman die Show stiehlt. Noch mehr Prominenz kommt mit Laura Gemser als Lilith und ihrem damaligen Ehemann Gabriele Tinti als Bull herein. Das Urgestein des Italowesterns, Nello Pazzafini, gibt sich die Ehre, ebenso Gordon Mitchell, der hier das höchste Tier der „neuen Ordnung“ darstellt. Und während seine Truppen gekleidet wie die SS und mit deren Symbolen geschmückt durch die Straßen morden, kleiden sich die Ranghöchsten wie russische Generäle. Die meisten Mutanten sehen aus wie normale Menschen, besitzen aber Fähigkeiten wie Telepathie oder sogar Telekinese. Neben den bereits erwähnten Affengesichtern tauchen auch echsenartige Mutanten auf, die nicht viel besser aussehen.
Auf eine Story braucht man sich natürlich nicht groß einlassen. D’Amato greift das Thema Menschenjagd vor laufender Kamera auf, was auf Robert Sheckleys Kurzgeschichte „The Seventh Victim“ (1953) zurückzuführen ist und bereits in DAS 10. OPFER (1965) DAS MILLIONENSPIEL (1970) abgehandelt wurde. Eine weitere Version der Grundidee taucht in KOPFJAGD – PREIS DER ANGST auf, der ebenfalls aus dem Jahre 1983 stammt. Sehr viel prominenter wurde das Thema 1987 mit RUNNING MAN, der Stephen Kings gleichnamigen Richard Bachman – Roman basiert, der 1982 veröffentlich wurde. Doch leider macht D’Amato nicht viel mit dem Thema und kehrt ihm schnell den Rücken. Auch der Score von Carlo Maria Cordio ist nur selten überzeugend.
Auch wenn ENDGAME – DAS LETZTE SPIEL MIT DEM TOD nicht der stärksten Beitrag aus der Italo-Endzeitfilm-Phase darstellt, kommt hier vor lauter Action, bizarren Figuren und futuristischen Vehikel keine Langeweile auf.
(Bjoern Candidus)
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