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L.I.E., 2001 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

L.I.E. – LONG ISLAND EXPRESSWAY
(L.I.E., USA, 2001, Regie: Michael Cuesta)

Nachdem Howies Mutter bei einem Autounfall auf dem Long Island Expressway ums Leben kam, ist er mehr oder weniger auf sich alleine gestellt, da sein Vater vor allem für seine Arbeit lebt und für seine neue Flamme. Der Einzige, der offensichtlich etwas mehr für ihn empfindet, ist der Stricher Gary, der mit Howie durchbrennen will. Als Gary Howie animiert, in einem Haus einzubrechen, um in einem Keller Waffen zu entwenden, um sie zu verkaufen, geraten sie in Schwierigkeiten, denn der Hauseigentümer, Big John, findet schnell heraus, wer ihn beklaut hat. Während Gary schließlich alleine durchbrennt, wendet sich Big John an Howie und verlangt seine Waffen zurück. Aber der Kriegsveteranen Big John hat ein Faible für kleine Jungen und schlägt Howie seinen Körper als Deal vor.

Michael Cuestas Regie-Debüt L.I.E. – LONG ISLAND EXPRESSWAY ist ein ausgesprochen gelungenes Coming-of-Age-Drama um einen orientierungslosen Jugendlichen, der allerdings zu keiner Zeit als weinerlicher Depressivling gezeichnet wird. Der mittlerweile zum Hollywood-Star aufgestiegene Paul Dano (THE BATMAN, 2022) war damals 17 Jahre alt, als er in die Rolle des 15-jährigen Howie Blitzer schlüpfte. Dano liefert ein authentisches Bild eines Jugendlichen, der zwar nicht recht weiß, was er will, aber weiß, was er nicht will. Sein Kumpel Gary, der sein Geld durch Sex mit Männern verdient, wird von Billy Kay (HALLOWEEN: RESURRECTION, 2002) verkörpert, der sehr viel weniger Eindruck hinterlässt. Ganz wunderbar ist hingegen der Auftritt von Brian Cox (MANHUNTER, 1986), dessen Figur des Big John ziemlich grau gezeichnet wurde. Er dealt mit Waffen, scheint ein gutes Verhältnis zur Polizei zu hegen und lebt mit seinem sehr viel jüngeren Liebhaber in seinem Haus zusammen. Dass dieser Liebhaber einst auch ein Minderjähriger war, wird schnell klar, und es deutet sich eine Wiederholung an. Dafür, dass Big John pädophil ist, kann er nichts, aber seine perfide Art, seine Lust zu befriedigen, macht ihn natürlich zum Arschloch. Er bietet gerne seine Hilfe an, aber immer nur mit Gegenleistung. Der einzige Komplettversager der Geschichte ist Howies Vater (Bruce Altman), der am Ende sogar noch seine Freiheit verliert.

Cuesta ist es gelungen, eine spannende und emotionale Geschichte zu erzählen, ohne in Gefühlsduselei oder Kitsch abzudriften. Das Gegenteil ist der Fall, denn die Inszenierung fühlt sich authentisch und lebensnah an und hat durchaus Spitzen zu bieten. 

L.I.E. – LONG ISLAND EXPRESSWAY ist ein sehenswertes Jugend-Drama in queeren Bereichen, was sich einem Moralfinger verweigert und viel für den Zuschauer offen lässt, um sich selbst damit zu befassen. 

(Bjoern Candidus)

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