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Mother’s Day, 1980 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

MUTTERTAG
(MOTHER‘S DAY, USA, 1980, Regie: Charles Kaufman)

Die Freundinnen Trina, Abbey und Jackie treffen sich wie jedes Jahr, um in den Wäldern ein Wochenende zu verbringen. Sie liegen in ihren Schlafsäcken, kiffen am Lagerfeuer, über dem sie Marshmellows rösten und freuen sich des Lebens. Doch die Freude hält nicht lange, denn zwei psychopathische Brüder schleichen durchs Geäst und nehmen die drei Frauen gefangen und schaffen sie in ihr Haus, wo sie mit ihrer Mutter leben. Eine Nacht aus Folter und Qual bricht an. Doch die beiden Brüder haben die Frauen unterschätzt.

Charles Kaufman, der Bruder von Troma-Oberhaupt Lloyd Kaufman hat mit MUTTERTAG einen kleinen, sadistischen Rape-and-Revenge-Backwood-Horrorfilm geschaffen, der heute zu den Klassikern des 80er-Jahre-Horrorkinos gehört und im Rahmen des Troma-Katalogs ein ganz klares Highlight darstellt. 

Wie Sean S. Cunningham mit FREITG DER 13. im selben Jahr, hat sich auch Kaufman für MUTTERTAG in den Wald begeben, um den Schrecken abseits der Zivilisation heraufzubeschwören. Was hier sehr gut funktioniert, ist die Sympathie, die man für die drei Grazien aufbauen kann. Während man im Slasher-Kino den meisten Figuren einen möglichst kreativen, grausamen Tod wünscht, leidet man hier mit den Damen mit und wünscht sich, sie würden ihre Peiniger selbst schnellstmöglich zur Strecke bringen. Sympathien für Trina, Abbey und Jackie aufzubauen ist also mindeste so einfach wie Antipathien gegenüber Ike, Addley und ihrer Mutter. Kaufman fährt wirklich ein paar derbe und sadistische Ideen auf, die ganz in der Tradition von LAST HOUSE IN THE LEFT (1972) und I SPIT ON YOUR GRAVE (1978) stehen. Doch MUTTERTAG kommt trotz seiner Grausamkeiten schräger, fast comicartig daher, was vor allem an Ike und Addley liegt, die nicht nur brutal und gemein, sondern dumm wie Brot sind und vor Dreck stehen. Sie schlagen, erniedrigen, vergewaltigen und fesseln die drei Damen an ihre Fitnessgeräte. Außerdem lernt man, dass die Zweckentfremdung von Schlafsäcken nicht erst seit FREITAG DER 13. VII (1987) Einzug ins Kino erhalten hat. Ihre schrullige Mutter kommt etwas wie Ruth Gordon daher, der man im Gehirn herumgerührt hat. Genauso widerlich wie die Figuren ist auch deren Behausung, in der sie leben. Dort möchte man genauso nicht vom Boden essen wie bei den Sawyers, wobei die insgesamt mehr Stil hatten. 

Auch handwerklich kann sich MUTTERTAG sehen lassen. Er sieht grob aus, aber nicht schlampig. Die Atmosphäre, die vor allem durch den Naturschauplatz erzeugt wird, ist profitabel wie bei den meisten ähnlich gelagerten Filmen. Nicht besonders berauschend, dennoch gut zu hören ist der Score von Phil Gallo und Clem Vicari Jr., der ein bisschen nach italienischem Horrorfilm klingt.

Auch wenn MUTTERTAG unter dem Strich nichts Neues bietet, ist Kaufman doch ein recht ruppiger Rape-and-Revenge-Film gelungen, der viel richtig macht und hierzulande durch deutsche „Jugendschützer“ immer schon einen besonderen Stellenwert unter Horrorfilm-Freunden hatte.

(Bjoern Candidus)

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