HELLRAISER – DAS TOR ZUR HÖLLE*
(HELLRAISER, GB, 1987, Regie: Clive Barker)
Frank Cotton ist vom Leben gelangweilt und sucht nach neuen Erfahrungen. Diese sollen ihm eine geheimnisvolle Puzzlebox liefern. Das Versprechen wird eingelöst, doch für Frank heißt das nichts Gutes. Er ruft die Cenobiten herbei, die ihn in Stücke reißen. Als Franks Bruder Larry mit seiner Frau Julia in das elterliche Haus ziehen, beginnt ein Alptraum für die Familie Cotton.
Clive Barker hat mit seiner Novell „The Hellbound-Heart“ und seiner eigenen Adaption ein phantastisches Universum geschaffen, was bis heute das Interesse bei Horror-Fans weckt. Der Mythos um die Puzzlebox des Spielzeugmachers Philip LeMarchand, die die Pforten zur Hölle der Lust und Qualen öffnet, ist geradezu zeitlos. Von Beginn an stößt einen Barker in eine geheimnisvolle Welt, in der ein Mann namens Frank Cotten eine rätselhafte Box auf einem orientalischen Markt kauft. Barker lässt einem kaum Zeit, um herauszufinden, was nach dem Öffnen der Box mit Frank passiert. Nach diesem blutgetränkten Anfang setzt sich die Inszenierung etwas, bleibt aber stets düster und bedrückend. Nach und nach lässt einen Barker tiefer vordringen in die Welt seiner Figuren, die bald alle mit der Puzzlebox konfrontiert werden.
Die Wahl der Darsteller ist sehr gelungen, und mit der Familie Cotton hat Barker voll ins Schwarze getroffen. Da ist Clare Higgins als eiskalte Julia, die erst mal ihren Ehemann Larry mit dessen Bruder Frank betrügt, bevor dieser mit der Puzzlebox die Cenobiten ruft, die ihn geradewegs zur Hölle befördern. Sean Chapman verkörpert den kaputten Lebemann Frank Cotton, während sein Bruder Larry von Andrew Robinson verkörpert wird, der das genau Gegenteil von Frank darstellt. Er ist neben seiner Tochter Kirsty die freundlichste Figur des Films. Kirsty wird von Ashley Laurence verkörpert, die sich ziemlich angstbefreit und tough den Cenobiten, ihrer Stiefmutter Julia und ihrem Onkel Frank stellt. Außer Frage steht, dass Doug Bradley als Ober-Cenobit Pinhead den beeindruckendsten Part bekommen hat, der danach zurecht Einzug in die Popkultur erhielt.
HELLRAISER ist ein Festmahl aus Blut, Knochen, Fleisch, Muskeln und Haut. Die äußerst expliziten Gore-Effekte gehören zu den beeindruckendsten, die das Horrorkino der 80er-Jahre zu bieten hat. Barker und Bob Keen haben eine eigene Sprache der Gewalt kreiert, die sie mit aller Kraft zu Ausdruck bringen. Das Make-up der Cenobiten mit ihren zahlreichen Wunden und Verstümmelungen ergeben mit ihren Lederkostümen eine morbide Einheit.
HELLRAISER ist ein Querschläger abseits vom Teenie-Slasher-Horror. Die erwachsenen, von Problemen durchzogenen Figuren bringen die Tiefe mit, die man im Genre jener Tage oft vermisst hat. Barker lässt Nebensächlichkeiten aus, stattdessen würzt er seine Inszenierung mit surrealen Ideen und Grausamkeiten, die einem kaum Zeit zum durchatmen lassen. Trotzdem ist HELLRAISER nie hektisch oder unübersichtlich. Ein weiteres Highlight stellt der Score von Christopher Young dar, der sich mal düster und sphärisch und mal majestätisch über die Bilder legt.
Mit HELLRAISER hat Clive Barker einen der einflussreichsten Horrorfilme der 80er-Jahre geschaffen, der seit meiner Jugend einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen hat.
(Bjoern Candidus)
*Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“
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