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The Night of the Hunted, 1980 – ★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

NACHT DER GEJAGTEN
(LA NUIT DES TRAQUÉES, Frankreich, 1980, Regie: Jean Rollin)

Als Robert des nachts mit dem Auto auf einer Landstraße unterwegs ist, erblickt er ein junge Frau in einem weißen Nachthemd, die orientierungslos durch die Gegend wandelt. Er bietet der Frau seine Hilfe an, denn die hat offensichtlich ihr komplettes Gedächtnis verloren. Doch damit begibt sich Robert auf gefährliche Pfade. 

In die NACHT DER GEJAGTEN lässt Jean Rollin seine sinnlichen Vampire in ihren Grüften zurück und liefert eine Geschichte um eine mysteriöse Krankheit, die erst das Gedächtnis und dann den Verstand der befallenen Person auslöscht, was dazu führt, dass sie für sich oder für andere zu einer Gefahr wird. 

Erneut konnte Rollin die französische Erotik-Ikone Brigitte Lahaie gewinnen, die hier die Rolle der Identitätslosen sehr gut spielt. An ihrer Seite ist Alain Duclos als Robert, der nach der Aufforderung der Schönen minutenlang über sie rutschen darf. 

Statt Schlösser, Ruinen, Friedhöfe und dem beinahe obligatorischen Meer zeigt einem Rollin hier ein urbanes Setting mit Plattenbauten und Hochhäusern, die eine bedrückende Atmosphäre heraufbeschwören, die sich vor allem im Finale richtig ausbreitet. Die mysteriöse Krankheit, deren simple wie haarsträubende Erklärung am Ende folgt, erinnert in der Kombination mit dem Setting an SHIVERS (1975) und RABID (1977) von David Cronenberg. Neben minutenlangen (Soft-)Sex-Szenen, die bei Rollin zum guten Ton gehören, gibt es eine fiese Vergewaltigung, und es wird auch nicht mit Gewalt und Blut gegeizt. Dennoch wird die meiste Zeit geredet oder geschwiegen, was dazu führt, dass sich in die NACHT DER GEJAGTEN auch etwas Langweile breitmacht. Über allem liegt Schwermut und Hoffnungslosigkeit, was das Thema des Identitäts- und Gedächtnisverlustes natürlich mitbringt. Erst in der zweiten Hälfte legt Rollin einen Zahn zu, und es sei hier schon versprochen, dass der Film nicht mit einer Party endet.

Abgerundet wird die Inszenierung von einem abwechslungsreichen Score von Philippe Bréjean, der von klassischen Gitarren- bis hin zu elektronischen Klängen reicht.    

Trotz vertrauter Elemente fällt die NACHT DER GEJAGTEN etwas aus dem sonstigen Rahmen von Rollin, und genau das macht ihn auch interessant und für Fans unverzichtbar, auch wenn die zähe erste Hälfte nicht zu übersehen ist. 

(Bjoern Candidus)

←The Demoniacs, 1974 – ★★★½
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