LEPTIRICA
(Jugoslawien, 1973, Regie: Djordje Kadijevic)
In einem Bergdorf treibt ein Vampir sein Unwesen, dem der Müller bereits zum Opfer gefallen ist. Mit Strahinja, einem jungen Burschen, der seine Augen auf die schöne Radojka geworfen hat, hat man schnell einen neuen Müller gefunden, und auch der Vampir ist bereits wieder unterwegs.
Keine andere Horrorgestalt ist breiter gefächert als der Vampir. Seit Jahrhunderten setzen sich Menschen aus allen Kulturen mit dem Blutsauger auseinander, der je nach Herkunft unterschiedlich interpretiert wird. Die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammende TV-Produktion LEPTIRICA zeichnet ein anderes Bild des Vampirs als das gängige, was Byron und Polidori kreiert und von Stoker mit „Dracula“ (1897) etabliert wurde. Von einem Gentleman der auf einem finsteren Schloss wohnt, ist der Vampir in Djordje Kadijevics Regiearbeit weit entfernt. Der Vampir in LEPTIRICA ist urtümlicher, wilder, mehr an den „Wij“ (1835) von Nikolai Wassiljewitsch Gogol und „Die Familie des Wurdalak“ (1839) von Alexei K. Tolstoi angelehnt.
Inszenatorisch wirkt LEPTIRICA wie eine Mischung aus Bauerntheater und tschechischem Märchenfilm. Alles spielt im Wald, auf Wiesen oder in den Holzhütten der Menschen. Diese bekleiden das Handwerk des Müllers oder Bauern, die von einem Vampir heimgesucht werden. Die Darstellung ist sehr furchteinflößend. Der Vampir ist nicht nur auf zwei spitze Zähne beschränkt, sondern besitzt eine ganze Reihe davon. Außerdem ziert sein Gesicht an einigen Stellen Fell, was ihn in die Nähe des Werwolfs rückt, der ebenfalls dem Aberglauben entsprungen ist. Auch in BLACULA (1972) zeigt sich der titelgebende Vampir mit wildem Gesichtsfell. In den Horror-Szenen holt Djordje Kadijevic richtig aus und liefert ein paar blutige und verstörende Momente, die schon etwas verwundern, wenn man bedenkt, dass es sich um eine Fernsehproduktion handelt. Eine weitere, sehr gelungene Szene ist die Freilegung des Sarges, in dem die Bauern den Vampir vermuten. Nach einem Gebet wird ein langer Holzflock durch den Sargdeckel getrieben, aus dessen Loch der Vampir in Form eines Schmetterlings entkommen kann. Eine starke Szene, die allerdings durch das tölpelhafte Verhalten der Figuren etwas albern wirkt. Leider zieht sich das dümmliche Getue der Figuren durch den ganzen Film, was LEPTIRICA manchmal etwas anstrengend macht. Andererseits bekommt man auch so gute Einblicke in eine bäuerliche Welt eines ehemaligen Jugoslawiens, die einem sonst verwehrt bleibt.
LEPTIRICA ist ein äußerst eigentümlicher Film mit ein paar wirklich schaurigen Szenen und einer gruseligen Klanglandschaft, der manchmal wie ein Alptraum daherkommt, wenn er nicht gerade in alberne Bereiche abdriftet. Definitiv ein Tipp für Vampir-Fans.
(Bjoern Candidus)
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