HITMAN
(COHEN & TATE, USA 1988, Regie: Eric Red)
Trotz Personenschutz durch das CIA werden die Eltern des neunjährigen Travis getötet, da der Vater gegen die Mafia vor Gericht aussagen soll. Cohen und Tate, die beiden Auftragskiller, entführen den Jungen, um ihn zu ihren Auftraggebern zu bringen. Eine lange Fahrt durch Texas über den nächtlichen Highway beginnt…
Bei Eric Red klingeln die Glocken. Zu Recht. Ob als Drehbuchautor (HITCHER, 1986 / NEAR DARK, 1987 / BLUE STEEL, 1990) oder als Regisseur (BODY PARTS, 1991 / BAD MOON, 1996) – Eric Red würzt ordentlich. Und was ihn scheinbar besonders begeistert: finstere Road-Movies mit bizarren, durchsetzungsfähigen Charakteren, die nicht selten blutbesudelt dastehen und bis an ihre Grenzen und darüber hinaus gehen. Dazu versteht er es, Geschichten mit guten Dialogen zu erzählen. Und so schließt COHEN & TATE die Road-Trilogie, die mit HITCHER (Regie: Robert Harmon) startete und mit NEAR DARK (Regie: Kathryn Bigelow) fortgeführt wurde. Inhaltlich haben diese Filme freilich nichts miteinander zu tun, wobei sie durch ihre Ästhetik durchaus im gleichen Universum spielen könnten, obwohl die Regiestühle von völlig unterschiedlichen Menschen beseelt wurden. Der gemeinsame Nenner ist die Grundlage von Eric Red.
Startet der Film noch am helllichten Tag abseits der Großstadt, geht es nach der mörderischen, westernartigen Eröffnung-Szene unmittelbar auf den Highway in die Nacht. Gerade die Nachtaufnahmen durchzogen mit den Autoscheinwerfern und anderen Lichtern des Highways entfesseln eine starke Atmosphäre, die vor allem Roy Scheider hinter dem Streuer geradezu diabolisch erscheinen lassen. Den Rest erledigt er selbst. Ist Scheider für mich immer der gute Brody, zerstört er hier das Bild und wird zum garstigen Cohen. Ganz wunderbar. An seiner Seite: Adam Baldwin, der glücklicherweise nichts mit dem Baldwin-Klan zu tun hat. Auch er bringt als psychopathischer Killer sehr viel Feuer mit. Am überraschendsten fand ich allerdings Harley Cross als neunjährigen Travis. Gerade Kinder-Darsteller sind oft nervig oder bleiben blass und hölzern, aber nicht Harley Cross, dessen Charakter die Spannungen zwischen Cohen und Tate immer wieder anheizt und durch geschickte Einfälle glänzt, wenn er z.B. anfängt die Landkarte zu essen, damit die beiden Herren die Orientierung verlieren. Für Cross (DAS RITUAL, 1987) war dies die vierte Rolle in einem Film, in dem er entführt oder als Geissel gehalten wird. Auf Seiten der Hautdarsteller gibt es also überhaupt nichts zu bemängeln, was in dem Fall auch sehr wichtig ist, da man hier sonst nur wenig andere Figuren kennenlernt und sich der Fokus kaum von den Dreien wegbewegt.
Da man sich kontinuierlich auf der Straße befindet, hält sich Red kaum auf und ist bedacht, nach vorn zu kommen. Es gibt hier mal einen Halt zum tanken, dort mal eine Polizeikontrolle oder es wird von Travis ein Versuch unternommen, zu fliehen.
HITMAN ist ein kraftvolles Regiedebüt mit einer simplen, aber packenden Story, die in erster Linie von ihren Figuren und durch das Erscheinungsbild glänzt. Obwohl man merkt, dass der Film nicht viel gekostet hat, gewinnt er gerade durch die Limitierung von Effekthascherei und Action, die man hier möglicherweise erwarten würde. Nicht dass es hier zimperlich zugeht, nein, nein, denn der ein oder andere Gewaltakt ist zu verzeichnen, und zwar blutig.
Abgerundet werden die von Kameramann Victor J. Kemper (AUDREY ROSE, 1977 / COMA, 1978) fotografieren Bilder von einem Score von Bill Conti.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar