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L’immoralità, 1978 – ★★★★½

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

L‘IMMORALITA
(Italien, 1978, Regie: Massimo Pirri)

Federico, ein pädosexueller Triebmörder, der nach den Körpern und Leben kleiner Mädchen trachtet, ist auf der Flucht. Bei dieser wird er angeschossen, doch es gelingt ihm, in einem Wald zu entkommen. Völlig erschöpft trifft er auf die 11jährige Simona. Diese hat direkt ein Herz für den Verwundeten, der ihr erklärt, dass er auf der Flucht ist. Sie bringt ihn in ein verlassenes Haus auf dem weitläufigen Grundstück ihrer Eltern. Natürlich muss sie ihm versprechen, nichts von seiner Anwesenheit zu verraten, was Simona auch gar nicht vorhat. Mittlerweile bildet sich ein Mob aus Polizei und Bürgern, die die Gegend absuchen und auch Simons Eltern, bzw. ihrer Mutter ein Besuch abstatten. Erfolglos. Simona kümmert sich derweil um Federico. Sie gibt ihm Essen und Trinken und organisiert Pflegematerial für seine Schusswunde am Arm. Als wäre das nicht schon kompliziert genug, spitzen sich die Eheprobleme zwischen Vera und ihrem reichen, aber schwer kranken Ehemann immer mehr zu. Sowohl die Beziehung zu ihm als auch zu ihrer Tochter ist völlig zerrüttet. Als Vera, ihre Mutter, das Geheimnis ihrer Tochter lüftet und auf Federico stößt, entwickelt sich eine höchst unheilige Dreiecksbeziehung.

Wenn auf der Agenda von Regisseur Massimo Pirri (TERROR STREETS, 1977) stand, den Nerv des Zuschauers über 100 Minuten zu treffen, dann ist ihm das mit Bravour gelungen. Schon in den ersten Minuten wird ein vergewaltigtes und ermordetes Mädchen, dem das Höschen bis zu den Knöcheln gerutscht ist, in einem Loch verscharrt. Mit dem Wissen, um was für einen Mann es sich bei Federico handelt, wird es unangenehm, wenn er auch nur in die Nähe von Simona kommt. E droht völlig zu eskalieren, und spätestens ab dem Moment, wo sich die 11jährige Simona von Federico freiwillig begatten lässt, konnte ich meine Kinnlade nicht mehr schließen.

Doch bei all dem Schmuddel, der hier aufgefahren wird, hat es Pirri geschafft, auch ein intensives, spannendes Beziehungsdrama aufzubauen, was vor allem durch die starke Besetzung gelingt. Lisa Gastoni (FEUERTANZ, 1966) geht als depressive, geldgeile, egoistische Frau, die sich im Grunde nur selbst hasst, voll auf. Mel Ferrer (DER ANTICHRIST, 1974) als ihr kranker Ehemann bleibt hingegen kalt und abgeklärt, was ebenfalls gelungen ist. Etwas zurückhaltender ist Howard Ross (DER NEW YORK RIPPER, 1982) als Federico. Über allem thront aber Karin Trentephol, die damals gerade mal 12 Jahre alt war. Es ist höchst erstaunlich, was sie für eine Präsenz hat. Sie ist dann auch die einzige Person, mit der man hier mit leidet. Für Trentephol war dies der erste und letzte Auftritt vor einer Kamera. Mich wundert das irgendwie nicht.

Aber nicht nur inhaltlich wird hier aus den Vollen geschöpft, sondern auch handwerklich und visuell kann sich L‘IMMORALITA zeigen.
Für die Kamera zeiget sich Riccardo Pallottini (MONDO CANNIBALE, 1972) verantwortlich, der hier eine sehr gute Fotografie an den Tag legte. Die sommerliche Atmosphäre in dem von der Natur dominierten Setting ist sehr gut und steht im Kontrast zum finsteren Inhalt. Nicht nur einmal musste ich an LIEBE UND TOD IM GARTEN DER GÖTTER (1972) denken, auch wenn der sich in eine ganz andere Richtung bewegt. Unterstrichen wird der Glanz der Bilder mit einem wunderschönen Score von Ennio Morricone.

L‘IMMORALITA ist Italo-Kino pur. Grenzen werden zerschlagen; die Niederträchtigkeit des Menschen wird mal wieder auf den Punkt gebracht. Hass und Wut sind wohl die einzigen Emotion, die man den Protagonisten hier entgegenbringen kann, wenn da nicht die kleine Simona wäre, auf deren Schultern alle Last liegt. L‘IMMORALITA ist zutiefst garstig, schmutzig, niederschmetternd, und traurig. Meisterlich.

(Bjoern Candidus)

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