MALASTRANA
(LA CORTA NOTTE DELLE BAMBOLE DI VETRO, Deutschland, Italien, Jugoslawien, 1971, Regie: Aldo Lado)
Gregory Moore, ein amerikanischer Auslandskorrespondent, verweilt mit seiner Freundin Mira in Prag. Doch diese verschwindet plötzlich. Da ihm die Polizei, trotz dem auffinden einer Frauenleiche, nicht groß zur Seite steht, begibt er sich selbst auf die Suche nach Mira. Unterstützt wird er dabei von Jacques und seiner ehemaligen Geliebten Jessica.
Wer die Schönheit und einzigartige Bildästhetik des italienischen Giallo-Kinos der 1960er- und 70er-Jahre zu schätzen weiß, der kommt um Aldo Lados Mystery-Horror-Giallo MALASTRANA nicht herum. Was als erstes ins Auge sticht ist der Handlungsort: Prag. Prag ist im Rahmen des Giallo-Kinos wohl absolut einzigartig, und Lado versteht es mit Bravour, diese schöne Stadt zu nutzen, um seinen Hauptdarsteller Jean Sorel und den Zuschauer in einen finsteren Strudel zu schicken. Die Außenaufnahmen entstanden größtenteils in Prag, während die Innenaufnahmen in den De Paolis Studios in Rom produziert wurden. Doch wo auch immer was entstanden ist, Lado und Kameramann Giuseppe Ruzzolini (MEIN NAME IST NOBODY, 1973) liefern wunderschöne Bilder, die in ihrer Qualität das Gros ähnlich gelagerter Filme jener Tage übertrumpft. Die Architektur von Prag, die Innenräume mit den vielen Details, Symbolen und der prächtigen Farbästhetik, erschaffen eine mysteriöse Stimmung, die sich zunehmend verdichtet. Eine Atmosphäre der Paranoia entsteht, die durch die vielen höchst verdächtigen Personen nur noch mehr angetrieben wird. Wie passend, befinden wir uns doch hier in einer kommunistischen Tschechoslowakei. Die düstere Aura, die der Film fast durchgehend besitzt, wird von Ennio Morricones dissonanten, fast delirierenden Klängen perfektioniert. Doch nicht nur die Form, das Auditive und die Story an sich überzeugen, sondern auch die Darsteller. Besonders Jean Sorel (NACKT ÜBER LEICHEN, 1969) ist wieder spitze, der als Gregory Moore wirklich nichts zu lachen hat. Das weiß man direkt von Anbeginn, denn Lado erzählt die Story aus den Erinnerungen von Gregory Moore, der sich in einer äußerster prekären Situation befindet, und der Zuschauer wird mit ihm herausfinden, wie es zu dieser kam. Jessica, Moores verflossene Liebschaft, wird von Ingrid Thulin (WILDE ERDBEEREN, 1957) verkörpert, während die verschollene Mira von Bond-Girl Barbara Bach (DER SPION, DER MICH LIEBTE, 1977) dargestellt wird. Zu der Naturgewalt Mario Adorf, der Moores Freund Jacques spielt, muss nichts mehr gesagt werden, der Mann steht für sich, und das immer noch (Stand: 12.03.2024). José Quaglio (THE CHILD – DIE STADT WIRD ZUM ALPTRAUM, 1972) zeigt sich als Valinski mysteriös, Luciano Catenacci (DIE TOTEN AUGEN DES DR. DRACULA, 1966) tritt als Mitarbeiter der Leichenhalle auf, während Jürgen „König von Mallorca“ Drews an der Moldau sitzt und seine Ballade „The short Night of the Butterflys“ zum Besten gibt.
Mit MALASTRANA hat Aldo Lado ein in jeder Hinsicht wuchtiges Filmdebüt hingelegt, was Filme wie ROSEMARY‘S BABY (1968) durchblicken lässt und fast eine Vorahnung auf WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN (1973) sein könnte. Auch Filme wie
DAS PARFÜM DER DAME IN SCHWARZ (1974) von Francesco Barilli und DIE NACHT DES TODES (1980) von Raphaël Delpard schlagen in eine ähnliche Kerbe.
(Bjoern Candidus)
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