DR. M SCHLÄGT ZU
(LA VENGANZA DEL DOCTOR MABUSE, Deutschland, Spanien, 1972, Regie: Jess Franco)
Der durchtriebe und machtbesessene Dr. Krenko will an die Pläne für eine Superlaserwaffe kommen, die Dr. Orloff entwickelt. Mit dieser Waffe will Dr. Krenko Weltherrschaft an sich reisen. Unterstützt wird er von einer Femme fatale, einem Opa und einem Trottel. Das ruft Inspektor Thomas auf den Plan, der mit seinem Helferlein versucht, die Damen und Herren dingfest zu machen.
Jess Franco eröffnet seinen bunten Irrsinn mit dem Meer, der Künste und Jazzmusik (aus eigener Hand) und stößt einen unmittelbar in eine
sommerliche Atmosphäre. Also nichts, was wir aus dem Hause des Spaniers nicht kennen würden. Noch mehr Vertrautheit bringen die Darsteller in diesen wilden Krimi, denn die meisten sind keine Unbekannten im Francoversum. Der Verbrecher, Dr. Krenko (in der spanischen Fassung: Mabuse), der die Pläne einer zerstörerische Superlaserwaffe in die Hände bekommen will, wird von Jack Taylor (NACHTS, WENN DRACULA ERWACHT, 1970) gespielt, der hier mit Brille, Bart und Amulett wie ein Sektenguru aussieht. An seiner Seite hantiert Friedrich Joloff (DIE TÜR MIT DEN 7 SCHLÖSSERN, 1962) als Hermann und Moisés Augusto Rocha (DER TEUFEL KAM AUS AKASAVA, 1971) als Andros, ein frankensteinmonsterähnlicher Dummbatz. Und wo Franco ist, ist auch ein Dr. Orloff nicht weit, und dieser wird von Siegfried Lowitz (DER ALTE, 1977-1985) dargestellt. Das Gesetzt wird vertreten von Fred Williams (SIE TÖTET IN EKSTASE, 1971) als Inspektor Thomas. Der gute Jess ist natürlich auch am Start, und das gleich zweimal. Natürlich wurde auch an die weibliche Front gedacht, und die wird mit Ewa Strömberg als Jenny Hering (VAMPYROS LESBOS, 1971) und Eva Garden als Wanda Orloff (DER TODESRÄCHER VON SOHO, 1972) errichtet. Ursprünglich war dieser Film in Deutschland tatsächlich als Fortsetzung der DOKTOR MABUSE – Reihe vorgesehen, und es war die erste Zusammenarbeit zwischen Artur Brauner und Jess Franco, die hierzulande allerdings keine Kinoauswertung erfuhr. Ein Rechtsstreit führte schließlich dazu, dass der Film erst 2001 eine Premiere im deutschen Fernsehen erfuhr.
Dr. Orloff, exzentrische Schurken, vergilbte Opas, degenerierte Irre, schöne Frauen, Sonne, Strand und Jazzmusik sind alles bekannte Zutaten in Francos Filmografie. All das gibt es hier und noch viel mehr. Wie bei den meisten Filmen von Jess Franco wirkt auch dieser, als würde er in einer Parallelwelt spielen. Während die Geheimzentrale von Dr. Krenko aus einem 60er-Jahre-Sciencefictionfilm hätte entspringen können, ist das Sheriff-Office offensichtlich ein Rudiment aus der Spaghetti-Western-Ära, die 1972 langsam im Staub verebbte. Der durchaus adrette Fred Williams passt sich als Hut tragender Inspektor sehr gut der Location an. Für Abwechslung ist auf jeden Fall gesorgt, denn es geht fleißig hin und her. Viele schöne Schauplätze warten auf einen, die teilweise richtig atmosphärisch inszeniert wurden, ob bei Tag oder Nacht. Kameramann Mario Merino hat hier wirklich mitunter schöne Momente gezaubert. Die Sprunghaftigkeit Francos ist natürlich trotzdem vorhanden, und wer damit grundsätzlich ein Problem hat, sollte hier gar nicht erst einschalten. Das billige Make-up (Andros), das oft wunderliche Verhalten der Figuren und der allgemeine Wahnsinn, den das ganze Story-Konstrukt mitbringt, muss akzeptiert werden. Franco und Rolf Kühn sorgen mit ihrem Score, dass der wilde Trip passend begleitet wird.
DR. M SCHLÄGT ZU bietet eine große Bandbreite an francotypischen Zutaten, die seine Nicht-Fans auch hier ablehnen werden. Das Recht haben sie. Ich habe mich hingegen gut unterhalten gefühlt.
(Bjoern Candidus)
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