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Eerie Tales, 1919 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

UNHEIMLICHE GESCHICHTEN
(Deutschland, 1919, Regie: Richard Oswald)

Richard Oswalds UNHEIMLICHE GESCHICHTEN (alternativ: GRAUSIGE NÄCHTE) gilt als erster Grusel- oder Phantastischer Film in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. In diesem Stummfilm warten fünf schaurige Episoden und eine Rahmenhandlung auf den Zuschauer, die zu keiner Sekunde steif oder langweilig erscheinen, ganz im Gegenteil. Die Ausstattung von Julius Hahlo sorgt auf kleinem Grund für große Wirkung. Hier ist überall sehr viel Liebe fürs Unheimliche zu spüren. Oswald geht mit einem ordentlichen Tempo an die Sache, hält sich nicht lange auf, sondern konzentriert sich auf das Wesentliche der jeweiligen Geschichten. Außerdem reduziert sich Oswald auf nur drei Hauptdarsteller: Anita Berber, Reinhold Schünzel und den einzigartigen Conrad Veidt. Sie tauchen sowohl in der Rahmenhandlung als auch in den jeweiligen Episoden auf.

In einem Antiquariat werden die Portraits, die den Teufel (Schünzel), den Tod (Veidt) und eine Dirne (Berber) darstellen, lebendig und entsteigen ihren Rahmen. Sie machen sich über die Bücher her und lesen sich Gruselgeschichten vor.

„Die Erscheinung“ basiert auf Anselma Heine. Hier wird eine Frau von ihrem Ex-Mann verfolgt. Als sie mit einem neuen Freund in einem Hotel eincheckt, verschwindet sie plötzlich. Bis auf ihren neuen Freund will die Frau niemand gesehen haben. Robert Liebmann liefert mit „Die Hand“ eine Geschichte über zwei Männer, die um eine Dame buhlen. Ein Würfelspiel soll entscheiden, wer die Dame gewinnt. Doch dann erwürgt der Verlierer den Gewinner. Aber manchmal kehren die Toten wieder… Populär wird es mit Edgar Allan Poes Klassiker „Die schwarze Katze“. Hier ermordet ein Mann seine Frau, die ihn belogen und betrogen hat. Um die Leiche zu verstecken, mauert er sie ein, leider auch die Katze, was ihm zum Verhängnis wird. Aus der Feder von Robert Louis Stevenson stammt die Geschichte „Der Selbstmörderklub“, in der sich eine geheime Männergesellschaft trifft, die sich nach und nach das Leben nehmen will. Ein Polizeidetektiv schleicht sich ein, um die Machenschaften des Klubs aufzudecken. Die letzte Geschichte, „Der Spuk“, stammt von Oswald selbst und handelt von einem eifersüchtigen Baron, der den neuen Liebhaber seiner Ehefrau mittels inszenierten Spuks vertreiben will, natürlich nicht, ohne auch seiner Liebsten einen Schrecken einzujagen.

Natürlich findet das Ganze einen passenden Abschluss, den UNHEIMLICHE GESCHICHTEN zu einer Runden Sache macht. Abgesehen von der letzten Episode, „Der Spuk“, die mir mit ihrer komödiantischen Art zu aufgesetzt war und den finsteren Ton der Vorgänger vermissen lässt, bekommt man hier phantastisches Schauerkino mit tollen Schauspielern geboten, was auch nach 105 Jahren wirksam ist. Ein wichtiges Relikt des deutschen Horrorkinos.

(Bjoern Candidus)

←Bloodmoon, 1990 – ★★
The Visitors, 1988 – ★★½→

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