SHOCKER
(USA, 1989, Regie: Wes Craven)
Der Fernsehtechniker Horace Pinker, ist ein Serienmörder, der es auf Familien abgesehen hat, und der wird mit Hilfe von Jonathan, einem Teenager, der von dem Killer und seinen Taten träumt, bevor sie passieren, gestellt. Jonathan ist außer sich vor Wut, weil Pinker seine Stiefmutter und seine geliebte Alison ermordet hat und nun sehnlichst auf seine Hinrichtung wartet. Doch es läuft nicht, wie es soll, denn Pinker kann sich mittels Schwarzer Magie retten und verwandelt sich in ein Strom-Monster, was in jeden beliebigen Körper fahren kann.
Nach dem starken Voodoo-Horrorfilm DIE SCHLANGE IM REGENBOGEN (1988), wollte Wes Craven offensichtlich an seinem größten Erfolg anknüpfen, was schon in der Titel-Sequenz zu erkennen ist. Während sich Freddy Krueger am Anfang von A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) seinen Handschuh zusammenbaut, beschäftigt sich hier Elektro-Nerd Horace Pinker mit einem Fernseher, was einen direkt zum Thema Elektrizität bringt, denn von Strom bezieht Pinker nach seiner Umwandlung seine Kraft. Fortan kann er so auch in jeden x-beliebigen Körper zappen und diesen beseelen. Ein Mittel, an dem sich zwei Jahre vorher NIGHTMARE ON ELM STREET 2 – Regisseur Jack Sholder für THE HIDDEN bedient hat und auch in Filmen wie ALIENKILLER (1991) und JASON GOES TO HELL (1993) aufgegriffen wurden. Im Grunde keine schlechte Sache, wenn sie wirksam umgesetzt wird. Wirksam ist das hier auch, aber nur, wenn man einen überdrehten, wenig ernstzunehmenden Horrorfilm sehen will. Anfänglich baut Craven noch eine dichte Atmosphäre auf, die zur Spannung beiträgt, die er die ersten 40 Minuten auch gut aufrechterhalten kann. Leider kippt das Geschehen, wenn Pinker festgenommen wird, er in der Todeszelle sein schwarzmagisches Ritual abhält, bevor er auf dem Elektrischen Stuhl gebraten werden soll. Der Film sieht auch dann noch gut aus. Er wurde anständig fotografiert und zeigt sich meistens schön finster, aber inhaltlich gerät das Ganze aus den Fugen und hat mich nur mäßig begeistert. Auf Gewalt und Blut muss natürlich auch nicht verzichtet werden, aber es sind dann letztlich die überdrehten Ideen, die hier hängenbleiben, wie z.B. der Fernsehsessel mit Eigenleben und natürlich der TV-Sender-Zapping-Trip, der das Geschehen dann vollends ins Absurde führt. Immerhin darf man so kurz Hippie-Guru Timothy Leary als TV-Prediger, Alice Cooper, Boris Karloff und Colin Clive begegnen. Eine ähnliche Szene, die dann auf die Gamer-Generation abzielt, und mir auch nicht gefallen hat, gibt es in NIGHTMARE ON ELM STREET 6 (1991) zu entdecken. Neben einem unauffälligen Score von William Goldstein, fallen die Hard-Rock und Metal-Tracks von Alice Cooper, Megadeth oder Bonfire umso mehr auf. Wie schon bei DEADLY FRIEND (1986) muss der Hauptdarsteller auch hier mit dem Verlust seiner Angebeteten leben, zudem wurde vorher seine Adoptivmutter von Pinker getötet. Einen fröhlichen Teenager bekommt man mit Jonathan Parker, der von Peter Berg (FEUER AM HIMMEL, 1993) dargestellt wird, also auch nicht. Dem steht das Leid allerdings mehr ins Gesicht geschrieben als Matthew Labyorteaux. Berg bekommt viel Spielraum, hat einige Action-Szenen, aber dafür halt nur einen einzigen Gesichtsausdruck. Bei der Adoptivvater-Figur, Don Parker, der hier der Lieutenant ist, sieht es noch schlimmer aus. Michael Murphy (PHASE IV, 1974) wirkt irgendwie völlig verloren, aber sein Adoptivsohn und seine American Football – Mannschaft regelt ja auch alles. Anfänglich kann Mitch Pileggi, der sich in AKTE X als Walter Skinner unsterblich gemacht hat, noch als eiskalter Killer überzeugen, aber wenn er zum „Strom-Clown“ wird, sollte man besser den Stecker ziehen oder PULSE (1988), den Strom-Horrorfilm von Paul Golding gucken.
SHOCKER startet gut, ist atmosphärisch und visuell ansprechend, fällt aber sowohl durch die Darsteller als auch durch die Story ins Bodenlose. Zudem ist der Film mit 110 Minuten Spielzeit einfach viel zu lang geraten.
(Bjoern Candidus)
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