TOY
(VACANZE PER UN MASSACRO, Italien, 1980, Regie: Fernando Di Leo)
Giò, der gerade frisch aus dem Gefängnis geflohen ist, nimmt ein paar Leute in einem Wochenendhaus gefangen, in dem er vor seiner Inhaftierung einen Batzen Geld versteckt hat. Es dürfte klar sein, dass er seine Geiseln nicht nur liebevoll streichelt.
Regisseur Fernando Di Leo (MILANO KALIBER 9, 1971) wandelt hier auf den Spuren von LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) und seinen zahlreichen Rip-Offs wie MÄDCHEN IN DEN KRALLEN TEUFLISCHER BESTIEN (1975) oder VERFLUCHT ZUM TÖTEN (1978). Immerhin variiert Di Leo den Inhalt etwas, und während in den besagten Filmen gleich mehrere Spaßverderber im Zentrum stehen, überlässt er und Mario Gariazzo, der die Story schrieb, Joe Dallesandro allein das Ruder.
Nach Giòs Flucht in die Natur, um sein Geld in einem kleinen Wochenendhaus zu holen, bewegt man sich die meiste Zeit in einem Kammerspiel, bei dem man hin und wieder mal kurz vor die Tür geht.
Dallesandro war nie der größte Schauspieler, aber seine Anziehungskraft ist allgegenwärtig. Dennoch wirkt er hier als Giò manchmal etwas deplatziert. Neben Lorraine De Selle, die Italo-Fans aus DIE RACHE DER KANNIBALEN (1981) kennen dürften, und die hier unsanft gegen ihren Willen zum Sex mit Dallesandro gezwungen wird, gesellen sich noch die beiden sehr blassen Darsteller Patricia Bhen (PLAY MOTEL, 1979) und Gianni Macchia (BLUTIGER FREITAG, 1972) dazu. Darstellerisch wird hier leider nicht viel geboten.
Der Film hat einen dreckigen Charme und bietet die bekannten Zutaten Sex und Gewalt, jedoch sehr zurückhaltend und wenig explizit. Di Leo fokussiert sich mehr auf das Untereinander der Figuren, was ihm leider oft den Sauerstoff raubt. Dabei ist das Geflecht aus Beziehungs- und Kidnapping-Drama gar nicht schlecht gedacht, nur halt spannungsarm umgesetzt.
TOY ist leider kein großer Wurf. Am ehesten werden hier wohl Fans von Joe Dallesandro auf ihre Kosten kommen. Die schmierige Atmosphäre und die beliebten Zutaten dieser Gattung Film, die es hier nur in den Light-Versionen gibt, halten den Film aber noch über Wasser.
(Bjoern Candidus)
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