ASWANG – DAS ULTIMATIVE BÖSE
(THE UNEARTHING, USA, 1994, Regie: Wyre Martin, Barry Poltermann)
Die ungewollt schwangere Katrina versucht Kapital aus ihrer Schwangerschaft zu schlagen und heiratet für eine hohe Summe Geld Peter Null, damit er seiner kranken Mutter ein Baby präsentieren kann. Doch die wahren Beweggründe sind ganz anderer Natur, was die schwangere Katrina beim Besuch ihrer Schwiegermutter schmerzlich feststellen muss.
Die beiden Regisseure Wyre Martin und Barry Poltermann bedienen sich hier gleich an mehreren bekannten Themen des Horrorfilms. Die ewige Thematik des Vampirismus steht im Vordergrund, und da geht der Film gleich einen eigenen Weg. Nicht der westliche Spitzzahn wird ausgepackt, sondern ein Aswang (gesprochen Oswang), der auf einer einer philippinischen Legende beruht. Eine lobenswerte Idee. Der Aswang ist eine Art Vampir oder Ghoul, der sich vom Blut ungeborener Föten ernährt, die er mit seiner hohlen und meterlangen Zunge aussaugt. Erinnerungen an David Cronenbergs Film RABID (1977) werden wach, in dem ein Saugrüssel unter einer Axelhöhle herauswächst. Einige Male kommt hier dieses spezielle Saugorgan zum Einsatz, was in Katrinas Vagina verschwindet. ASWANG ist aber auch ein Backwood-Horrorfilm. Die herbstlichen Wälder von Wisconsin sind dabei sehr gut gewählt und sorgen für eine dichte Atmosphäre. Das Anwesen der Nulls mitten im Wald erinnert stilistisch an italienische Horrorfilme, die Holzhütte im Garten erweckt hingegen Erinnerungen an EVIL DEAD (1981) und TEXAS CHAINSAW MASACRE (1974). Man denkt sogar an Hühner, Knochen und den Einsatz einer Kettensäge. Martin und Poltermann liefern einige blutige Effekte und verstörende Ideen, die den Film vom Gros damaliger Horror-Produktionen abheben. Wenn es hier wirklich ein Problem gibt, dann sind es die Figuren, die allesamt zutiefst unsympathischer Natur sind, und das gilt natürlich auch für Katrina. Für eine kleine Produktion ist die Besetzung aber durchaus solide.
Das Budget betrug 70.000$, und die Produktion wurde auf 16mm gedrehte, was man dem Bild ansieht. Doch dadurch gewinnt er mehr als er verliert. Der sterile Anstrich vieler 90er-B-Horrorfilme kommt hier nicht auf, stattdessen fühlt sich der Film mehr nach 80er-Jahre an. ASWANG lief in den USA auf diversen Festivals und wurde hier (in Deutschland) direkt in die Videothek geliefert, wo ich ihn mir 1994 ausgeliehen habe, in gekürzter Form. Es folgte eine weitere VHS, die diesmal einen Director‘s Cut zum Inhalt hatte, der auch später den Weg auf DVD gefunden hat. Der Film hat das HD-Zeitalter leider noch nicht erreicht. Schön restauriert würde er sicher seine Abnehmer finden.
ASWANG ist ein kleiner, kurzweiliger Horrorfilm, der mit seinem philippinischen Vampir-Mythos recht originell daherkommt.
(Bjoern Candidus)
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