RINGO MIT DEN GOLDENEN PISTOLEN
(JOHNNY ORO, Italien, 1966, Regie: Sergio Corbucci)
Nachdem Ringo, ein Kopfgeldjäger, die Brüder von Juanito Perez ins Jenseits geschickt hat, schwört dieser Rache und verbündet sich mit einem Apachenstamm. Kurze Zeit später wird Ringo vom Sheriff von Coldstone wegen illegalem Waffenbesitz verhaftet. Die Bürger von Coldstone, die sich durch die Apachen und durch die mexikanische Bande von Juanito bedroht fühlen, wollen, dass ihr Sheriff Ringo ausliefert, damit sie verschont werden. Doch Sheriff Bill Norton fühlt sich dem Gesetz verpflichtet, und das verbietet ihm, Ringo auszuhändigen.
Sergio Corbuccis Western haben für mich eine Sache gemein: sie gefallen mir alle gut bis sehr gut, zumindest, die ich bisher gesehen habe, und das sind die meisten. Seine Filme sind immer toll fotografiert, packend inszeniert, greifen gesellschaftliche und politische Themen auf und kleiden sich nicht selten mit Brutalität. Dass auch immer die Besetzung stimmt, muss kaum erwähnt werden. Franco Nero, Mario Adorf, Jean-Louis Trintignant, Klaus Kinski, Burt Reynolds, Joseph Cotten… Corbucci hat die Creme de la Creme vor der Kamera versammelt und diese perfekt eingesetzt. Hier muss allerdings erwähnt werden, dass Corbucci vorzeitig den Dreh verließ, um sich um DJANGO (1966) zu kümmern. Vollendet wurde der Film dann von Produzent Manolo Bolognini selbst. Deodato-Fans sollten auch aufhorchen. Der gute Ruggero war nämlich als Regieassistent an Bord.
In RINGO MIT DEN GOLDENEN PISTOLEN schickt Corbucci Mark Damon (DIE VERFLUCHTEN, 1960) als Ringo, bzw. im Original Johnny Oro, in die Prärie, der als Kopfgeldjäger zu schaffen hat. Mit seinem grazilen Schnäuzer wirkt er etwas schmierig und cool zugleich, was natürlich auch sein goldener Colt mit weißem Griff unterstreicht. Gold ist sein Thema. Er lässt sich auch nur in Gold bezahlen, denn das verliert schließlich nie seinen Wert. Ein cleverer Gedanke, der auch heute nicht an Wert verloren hat. Seine Figur ist gewitzt, clever und einfallsreich. Wenn er nicht schießt, jagt er auch schon mal Leute mit einer Bombe in die Luft. Wie schnell er im Schießen ist, beweist er schon in der Öffnungs-Szene, wenn er einen frisch Verheirateten samt seiner Brüder vor der Kirche in den Tod schickt. Eine Szene, die mich sofort an KILL BILL VOL. 2 erinnert hat. Neben Damon versammelt sich Ettore Manni als ehrenwerter Sheriff Bill Norton, der in gefühlt jedem zweiten Italowestern mitspielende John Barta als Mexikaner Alcalde Benal und der ziemlich schnittige Franco De Rosa als Juanito Perez. Die und alle anderen erledigen einen hervorragenden Job und lassen den Film allein schon darstellerisch wertig erscheinen.
Der Score von Carlo Savina ist solide, aber nicht sonderlich prägnant. Hinter der Kamera stand Riccardo Pallottini, der die faszinierenden steinigen Landschaften gut eingefangen hat. Gerade Freunde von Felsformationen kommen hier auf ihre Kosten. Aber nicht nur im Tageslicht sieht der Film gut aus, sondern auch in der Nacht. Hier kommt auch die Stadt Coldstone sehr gut zur Geltung, die tagsüber viel Leben bietet und abends für eine stimmungsvolle Atmosphäre sorgt.
Auch wenn die Story, um die Auslieferung Ringos durch den Sheriff an die mexikanische Bande und dem Apachenstamm, die von den Bürger Coldstones gewünscht wird, damit die zukünftig ihre Ruhe haben, nicht wirklich neu erscheint, wurde sie ganz spannend umgesetzt. Vor allem wurde sie aber auch kompromisslos umgesetzt. Frauen, Kinder, alte Menschen werden erschossen, und einer bekommt ziemlich explizit einen Tomahawk in den Kopf geschleudert. Nicht, dass hier ohne Ende Blut fließen würde, aber es geht brutal zu und deutet den Ton an, den Corbucci mit DJANGO anschlagen wird. Schön ist auch der Indianerbezug, denn nur selten tauchen amerikanische Ureinwohner als Figuren in Spaghettiwestern auf. Sein großartiger NAVAJO JOE (1966) setzt das Thema fort.
Auch wenn RINGO MIT DEN GOLDENEN PISTOLEN noch nicht ganz so durchschlagend inszeniert wurde, hat man es hier mit einem überdurchschnittlich starken Vertreter des Genres zu tun.
(Bjoern Candidus)
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