BEWEGLICHE ZIELE
(TARGETS, USA, 1968, Regie: Peter Bogdanovich)
Peter Bogdanovichs Debütfilm ist ein sonderbares, aber kraftvolles Amok-Drama, was zwei unterschiedlichen Handlungssträngen folgt, die sich am Ende geschickt treffen. Der Film startet mit den Szenen eines alten Roger Corman Horrorfilm mit Boris Karloff, denn eben dieser spielt hier auch mit. Karloff spielt den kurz vor dem Ruhestand stehenden Horrorfilm-Star Byron Orlok, der genau weiß, dass die Zeit der klassischen Horrorfilme vorbei ist. Die Aufnahmen mit Boris Karloff sind deshalb entstanden, weil er Corman zwei Tage Arbeit schuldete. Und so sollte Bogdanovich 20 Filmminuten in zwei Tagen mit Karloff drehen. Zudem wurde noch Material aus dem Film THE TERROR (1963) hinzugefügt, um Geld und Zeit zu sparen. Aber da das nicht reichte, hat man sich auch noch eine richtige Geschichte einfallen lassen, und die hat es in sich. Beeinflusst durch den Fall „Charles Whitman“, der von einem Turm einer Universität in Texas wahllos auf Menschen schoß, schrieb Bogdanovich und Polly Platt die Story und ein Drehbuch, bei dem auch Samuel Fuller die Hände drin hatte.
Wir bekommen eine Welt des Konsums, der Unterhaltung, des industriellen Größenwahns, der gigantischen Werbetafeln und riesigen Autos präsentiert. In dieser Welt lebt Bobby Thompson mit seiner Ehefrau und seinen Eltern. Alles scheint glücklich zu verlaufen. Auch Bobbys Hang zu Schusswaffen scheint in einer Welt voller Schusswaffen nur allzu natürlich. Doch in Bobby brodelt etwas, was er auch einmal versuchte seiner Frau zu mitzuteilen. Aber die ist nur auf sich selbst fixiert. Eines Morgens wird die Welt der Pastelltöne blutrot gefärbt. Bobby erschießt seine Frau, seine Mutter und einen Jungen aus der Nachbarschaft. Und so beginnt ein grausamer Amoklauf, wie er uns aus unserer eigenen Welt bekannt ist. Bogdanovich nimmt keine Gefangenen und präsentiert mit Bobby einen hinterhältigen Killer, der einen besonderen Hang zu Gewehren mit Zielfernrohren hat.
Harter Stoff für 1968, der es in seiner Vermarktung auch nicht leicht hatte. Thematisch passen so auch die beiden Handlungsstränge zusammen, da sich der Karloff-Strang mit dem Wechsel vom klassischen zum modernen Horrorkino beschäftigt, in dem er als Star keinen Platz mehr hat, während der Amok-Strang das New Hollywood- bis Exploitation-Kino bedient. Zwei Welten treffen aufeinander. Aber nicht nur die klassischen Themen verabschiedeten sich langsam, sondern auch Boris Karloff, der hier schon schwer von Krankheiten gezeichnet war und ein Jahr später mit 81 Jahren starb. Ein weitaus kürzeres Leben hatte Tim O‘ Kelly, der eindrucksvoll zurückhaltend Bobby spielt. O‘ Kelly starb bereits mit 48 Jahren.
Aber nicht nur der Inhalt ist spannend und wirksam, sondern auch die Form. Der Film wurde von László Kovács (EASY RIDER, 1969) lebendig fotografiert. Der authentische Look des Amok-Stranges ist sehr modern und gibt bereits Auskunft über die 1970er-Jahre.
BEWEGLICHE ZIELE ist ein weiteres Kraftpaket aus dem weitläufigen Hause Cormans, das bis heute nichts von seiner inhaltlichen Relevanz verloren hat.
(Bjoern Candidus)
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