THE ORPHAN VAMPIRES
(LES DEUX ORPHELINES VAMPIRES, Frankreich, 1997, Jean Rollin)
Was mich bei diesem Spätwerk Rollins am meisten fasziniert hat, ist die Tatsache, dass der Film überhaupt nicht nach 90er-Jahre aussieht. LES DEUX ORPHELINES VAMPIRES kommt daher wie eine verschollene Perle aus den 70ern. Aber nicht nur visuell ist das Vertraute zu finden, sondern auch inhaltlich. Dabei variiert Rollin das Thema des Vampirismus. Die beiden sehr reizenden Damen Alexandra Pic als Louise und Isabelle Teboul als Henriette sind tagsüber blind, können sich aber (wie bei Stoker) ganz normal am Tageslicht bewegen. Also so normal, wie sich ein Blinder bewegen kann. Sie können auch nicht fliegen oder sich verwandeln und haben bis auf einen optionalen Spitzzahn-Modus optisch nichts Monströses zu bieten, dafür sind sie schön und verspielt, und das soll reichen. Wenn die Sonne untergeht, kommt ihr Augenlicht zurück, und der Drang nach Blut erwacht. Und so tummeln sie sich auf Friedhöfen herum, schwelgen in der Poesie der Nacht und überfallen nebenbei Menschen, denen sie den Lebensaft abzapfen. Und all das passiert hier in schönster rollinesker Art und Weise. Gräber, Klöster, Kirchen, ganz kurz das Meer (natürlich!) und hin und wieder ein urbanes Set (z.B. ganz kurz, aber effektiv New York) bringen hier viel Abwechslung rein. Eine Standuhr fehlt hier allerdings, oder ich habe sie übersehen. Aber es ist nicht nur die visuelle Kraft in Form und Farbe, die hier wirkt, sondern auch das wirklich gelungene Spiel zwischen den beiden Vampir-Mädchen, die wieder einmal zeigen, wie gut Rollin Frauen inszenieren kann. Die Gehörgänge darf der Score von Philippe D‘Aram verzaubern, der das Gesamtpaket abrundet.
Wenn man ein Herz für das Kino von Rollin hat, wird einen LES DEUX ORPHELINES VAMPIRES sicher zu berühren wissen. Ein wunderschöner Vampirfilm. Verträumt, poetisch und rührenden bis zum Ende.
(Bjoern Candidus)
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