THE KILLER IS STILL AMONG US
(L‘ASSASSINO È ANCORA TRA NOI, Italien, 1986, Regie: Camillo Teti)
Über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten erstreckt sich eine Reihe von Doppelmorden im ländlichen Umland von Florenz. Der Täter hat es auf Liebespärchen abgesehen, die sich im Auto vergnügen. Als es zu einem weiteren Doppelmord kommt, wird die Kriminologie Studentin Christina wie besessen von dem Fall und begibt sich selbst auf die Tätersuche.
Die Mordserie von Florenz, die zwischen 1968 und 1985 für acht Doppelmorde gesorgt hat und nie ganz aufgeklärt wurde, wurde im Jahre 1986 gleich zweimal auf filmische Art verarbeitet. Cesare Ferrario verarbeitete den Fall in seinem NIGHT RIPPER – DAS MONSTER VON FLORENZ, in dem sich ein Buchautor in die Seele des Täters vertiefen will. Camillo Teti schickt in L‘ASSASSINO È ANCORA TRA NOI die Kriminologie Studentin Christina ins Rennen. Doch beide Filme eint nicht nur ein Thema, sondern beide Produktionen sind keine Sternstunden der Unterhaltung; sie haben sogar eine ähnlich trübe Atmosphäre mit wenig Liebe für Bildgestaltung. Zudem enden beide höchst unzufrieden, was allerdings auch dem wahren Fall geschuldet ist, denn es konnte nie 100 % bewiesen werden, wer der Täter, bzw. die Täter waren.
Aber es soll ja hier nur um L‘ASSASSINO È ANCORA TRA NOI gehen, der leider nie den Weg in deutsche Gefilde gefunden hat, abgesehen von seinem schlechten Ruf, der über die Grenzen hinaus an ihm haftet. Und eigentlich tut er das nur wegen einer Szene, für die man gut 70 Minuten auf seinem Allerwertesten sitzen oder liegen muss, wenn man nicht im Stehen oder Hängen Filme guckt. Da auch der Täter im realen Fall mit äußerster Brutalität vorgegangen ist, serviert Teti gegen Ende eine sehr heftige Szene in der Tradition von GIALLO A VENEZIA (1979) und DER NEW YORK RIPPER (1982), in der der Killer einer toten Frau mit aller Ruhe eine Brustwarze und eine Schamlippe mit einem Messer entfernt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Film recht handzahm, sieht man von der Eröffnungsszene ab, die bereits einen kleinen Ausblick auf die Härte am Ende liefert.
Auch wenn Camillo Teti und sein Kameramann Giuseppe Bernardini nicht viel unternommen haben, um rein visuell im Gedächtnis des Zuschauers zu bleiben, hat mir die düstere, leicht siffige Atmosphäre gefallen, die allerdings kaum über das Niveau eines TV-Films hinausgeht. Der Fokus liegt auf Mariangela D’Abbraccio als Studentin Christiana Marelli, die sich immer mehr in dem Fall verliert, bis sie sich verfolgt fühlt. Ihre Figur erinnert ein klein wenig an Ana Torrents Figur aus TESIS (1995).
Die Inszenierung hält sich nie lange an einem Ort auf. Es geht zügig von einem langweiligen Schauplatz zum nächsten, an dem dann auch nicht viel passiert. Ganz ohne Spannung ist der Film aber auch nicht, doch diese hält nie lange an.
Begleitet wird das Geschehen von einem durchaus eindringlichen Score von Detto Mariano, der allerdings kaum Abwechslung bietet.
Trotz Giuliano Carnimeo und Ernesto Gastaldi, die für die Story und das Drehbuch verantwortlich waren, ist L‘ASSASSINO È ANCORA TRA NOI ein zäher Versuch, sich einer faszinierenden Mordserie anzunehmen. Von einem Totalausfall würde ich hier allerdings nicht sprechen, ebensowenig bei NIGHT RIPPER – DAS MONSTER VON FLORENZ.
(Bjoern Candidus)
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