WINDIGO – DIE NACHT DES GRAUENS*
(GHOSTKEEPER, Kanada, 1981, Regie: Jim Makichuk)
Ein defektes Schneemobil und ein aufziehender Sturm zwingt drei Winterurlauber, ein Mann und zwei Frauen, in einem scheinbar verlassenen Berghotel zu übernachten. Doch so verlassen, wie das Hotel scheint, ist es nicht, denn eine alte Frau lebt dort mit ihrem Sohn, und die scheinen nichts Gutes im Schilde zu führen.
Der Kanadier Jim Makichuk kombiniert hier Backwood-Horror-Elemente mit dem Wendigo (hier Windigo geschrieben), jenem mythischen Wesen aus der Anishinabe-Kultur, worauf inhaltlich allerdings nicht wirklich eingegangen wird. Es sei vorab gesagt, dass viele Ideen von Makichuk aufgrund finanzieller Einschränkungen nicht realisiert werden konnten. Dennoch ist ihm ein sehr atmosphärischer Horrorfilm gelungen, der schon von Beginn an ein beklemmendes Gefühl verbreitet, wenn die verschneiten Bergwelten (gedreht wurde in Alberta,Kanada) auf einen herabblicken. Hier kann nichts menschenfeindlicher sein als das eisige Klima. Doch die Urlauber werden eines Besseren belehrt. Die Nähe zu SHINING (1980) drängt sich durch das Schnee-, Berg-, Hotel-Setting auf, BURNT OFFERINGS (1976) blickt durch, und die Alte (eindringlich dargestellt von Georgie Collins), die sich in dem Hotel eingenistet hat, könnte eine Verwandte aus dem Sawyer-Clan aus THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) sein. So pompös und sauber wie bei Kubrick ist das Hotel allerdings nicht. Man hat es mit einem rustikalen Hotel zu tun. Düstere Holzmöbel, staubige Teppichböden, der Mief hängt in der Luft. Die Stimmung, die hier erzeugt wird, ist richtig unheimlich. Es gibt keinen Strom, dafür spendet ein Kamin oder Petroleumlampen Licht. Der Wind ist allgegenwärtig und bläst manchmal zusammen mit der Gruselmusik von Paul Zaza, und der ist im reichhaltigen Sumpf des Canoxploitation-Kinos kein Unbekannter. Auf sein Konto gehen Scores für PROM NIGHT (1980), BLUTIGER VALENTINSTAG (1981) oder CURTAINS (1983).
Da die Anzahl der Protagonisten sehr überschaubar ist, gibt es auch nicht allzu viel zu töten, aber das hat der Film auch nicht nötig, um zu packen. Auch die Figuren sind nicht lieblos dahin geklatscht, und Jim Makichuk spendiert seinen Figuren sogar noch einen Beziehungs-Konflikt und die Stimmung anzuheizen. Aber das kann passieren, wenn ein Mann mit zwei Frauen unterwegs ist. Dargestellt werden die drei von Riva Spier (RABID, 1977), Murray Ord (BLACKOUT – BESTIE IN SCHWARZ, 1987) und Sheri McFadden. Eine gute Wahl. Neben der bereits positiv erwähnten Georgie Collins, bleibt ihr Film-Sohn, dargestellt von John MacMillan, blass.
Auch wenn das Ergebnis von WINDIGO nur ein Kompromiss ist und dem Film in der zweiten Hälfte etwas die Spannung abhanden kommt, ist Makichuk ein dichter Horrorfilm vor einer im Genre seltenen Winterkulisse gelungen.
(Bjoern Candidus)
*Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“
Schreibe einen Kommentar