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The Last Wave, 1977 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

DIE LETZTE FLUT 
(THE LAST WAVE, Australien, 1977) von Peter Weir)

Über Sydney ereignen sich immer wieder sonderbare Wetterphänomene. Hagelstürme, monsunartige Regenfälle oder gar schwarzer Regen beunruhigt das Land. Zur gleichen Zeit kümmert sich der Rechtsanwalt David Burton um einen Mord an einen Aborigines durch Aborigines. Dabei gerät er in einen mysteriösen Sog, der von Träumen und Visionen begleitet wird, die David immer mehr belasten. 

Kleidete Peter Weir seinen vorherigen Film, den höchst mysteriösen PICKNICK AM VALENTINSTAG (1975), noch mit Tageslicht und beeindruckenden Felsformationen im australischen Outback, schlägt er mit DIE LETZTE FLUT ganz andere Töne an. Anfangs gibt es noch ein paar sonnige Abschnitte in der felsigen Natur Australiens, dann geht es nach Sydney, wo es aus heiterem Himmel anfängt stark zu regnen. Obwohl nur Regen fällt, schafft es Weir eine beängstigende Atmosphäre heraufzubeschwören. Menschen werden nervös, laufen über die Bürgersteige, der Verkehr kommt zum Stillstand. Alles wird düster bis auf die Lichter der Autos und Häuser. Noch bedrohlicher wird es, wenn David Burton (Richard Chamberlain) und seine Familie eingeführt wird. Wie schnell Wasser zu einer Gefahr werden kann, wird bereits früh gezeigt. Die schleichende Katastrophe wird durch Geräusche vom Regen, Wind, Tieren oder Undefinierbarem intensiviert. Vieles ist inszeniert wie ein Horrorfilm. Visionen, Träume, mystische Steine und ominöse Figuren reihen sich ein, und trotzdem wirkt nichts billig, aufgesetzt oder übertrieben. Zudem konzentriert sich Weir nicht nur auf die bevorstehende Naturkatastrophe, die eigentlich nur am Rande thematisiert wird, sondern in erster Linie auf den Konflikt zwischen den Aborigines, der Hilfestellung seitens Burton vor Gericht und seine erschreckende Erkenntnis, die daraus hervorgeht. Mit Richard Chamberlain hat man zudem einen sehr guten Darsteller an Bord, der allerdings im mystischen Schein von David Gulpilil (DARK AGE – CROCODILE HUNTER, 1987) fast untergeht. Gleiches gilt auch für die anderen Aborigines, die allein durch ihre Anwesenheit Zauber versprühen. Alles harmoniert, auch der Score von Groove Myers. 

Weir, der auch die Story und das Drehbuch schrieb, reiht sich hier in eine Reihe von übersinnlichen, mysteriösen Filmen wie WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN (1973), DER SCHRECKEN DER MEDUSA (1978) oder DAS SIEBTE ZEICHEN (1988) ein, die es bis heute verstehen, Nerven zu treffen, und das auf völlig unterschiedliche Art und Weise. 

DIE LETZTE FLUT ist ein sehr spannendes, dialogreiches, stark fotografiertes Mystery-Katastrophen-Drama mit Tiefgang. Eine wundersame Mischung. 

(Bjoern Candidus)

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