ESCALOFRIO – SATANS BLUT
(ESCALOFRIO, Spanien, 1978, Regie: Carlos Puerto, Juan Piquer Simón)
Das Ehepaar Andres und Ana und ihr Schäferhund Blacky treffen in Madrid ein anderes Paar: Bruno und Berta. Bruno behauptet Andres aus Schulzeiten zu kennen und lädt ihn und seine Frau auf ihr abseits gelegenes Anwesen sein. Sie sagen zu, obwohl sich Andres nicht wirklich an Bruno erinnern kann. Der Abend beginnt freundlich, bis sich die Herrschaften zu einer Séance entschließen.
Im Zuge der großen Okkult-Horrorfilm-Welle der späten 1960 – 70er-Jahre entstand dieses spanische Filmchen, was inhaltlich eine Art Mix aus ROSEMARIES BABY (1968), DER EXORZIST (1973) und DAS PARFÜM DER DAME IN SCHWARZ (1974) darstellt. Produziert wurde der Film von Juan Piquer Simóns Almena Films, während Carlos Puerto, der vorher mit Paul Naschy EL FRANCOTIRADOR (1977) gedreht hat, die Regie übernahm, wohl aber auch mit der Unterstützung von Simón.
Auf dem ersten Blick sieht der Film aus, als hätte man es mit einer italienischen Produktion zu tun. Die visuellen Grenzen zwischen dem italienischen und spanischen Horrorkino können schon mal verschwimmen. Vor allem sind mir zwei Italiener in den Sinn gekommen: Andrea Bianchi (DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES, 1981) und Mario Landi (PATRICK LEBT, 1980). Das liegt auch an der Villa im Film, die einen Hauch von der Villa Parisi hat, in der die beiden oben genannten Filme gedreht wurden. Der Schmierfaktor von Bianchi / Landi wird zwar nicht ganz erreicht, es geht aber Stark in die Richtung. Allerdings ist ESCALOFRIO vorher entstanden, man müsste den Vergleich also umdrehen. Aber es soll ja hier um Carlos Puertos Film gehen, der auch für das Drehbuch verantwortlich war. Nach einer Schwarzen Messe, bei der eine Frau von Satanisten vergewaltigt wird, geht es etwas sanfter weiter. Der Einstieg mit Andres und Ana und Bruno und Berta ist interessant. Man tut so, als ob man jemanden kennt, der anfängt, das zu glauben. Eine Art Enkel-Trick ohne Enkel und Oma, die darauf hereinfällt. Ein mysteriöser Einstieg ist so jedenfalls gefunden, bevor es vorbei an einer stimmungsvollen Landschaft zur Villa geht, in der sich die beiden Pärchen treffen wollen, um das Glas zu erheben. Nachdem es erhoben wurde, lässt man es auch noch rücken, um den Teufel zu beschwören. Und da das alles nicht reicht, bekommt man es auch noch mit einer Gruppensex-Party zu tun, natürlich auch im Namen des Teufels, samt Blutritual. Nacktes Fleisch beider Geschlechter ist hier also garantiert. Aber der Film bietet auch einige spannende und atmosphärische Momente, die durchaus für Gänsehaut sorgen können. Puerto wollte hier scheinbar nichts auslassen und hat sämtliche Horrorfilm-Zutaten jener Tage in den Brei gerührt. Das ist nicht immer gelungen; manchmal gibt es auch ein paar dröge Momente, die aber schnell vergessen sind, wenn Puerto zum nächsten Mittel greift. Ein bisschen Gore wird dem Zuschauer im letzten Drittel auch geboten, aber in diesem Punkt hält man sich eher zurück. Die Darsteller sind sicher keine Aushängeschilder, aber als Ensemble funktionieren Ángel Aranda, Sandra Alberti, Mariana Karr und José Maria Guillén ganz gut.
ESCALOFRIO bietet Sex, Gewalt, okkultes Tamtam, schmierige Momente im Überfluss, hat aber auch ein paar zähe bis dümmliche Momente zu bieten, über die ich aber hinwegsehen kann.
(Bjoern Candidus)
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