HALLOWEEN 4 – THE RETURN OF MICHAEL MYERS
(USA, 1988, Regie: Dwight H. Little)
Michael Myers liegt seit 10 Jahren im Koma. Als er von Richmond in das Smith Grove Senatorium in Haddonfield zurückverlegt werden soll, erfährt er durch eine Unterhaltung zwischen den Sanitätern, dass er eine Nichte hat. Er kommt zu neuen Kräften, tötet die Sanitäter und macht sich auf nach Haddonfield, um Jamie Lloyd, die Tocher der verstorbenen Laurie Strode, zu töten. Aber Michaels Nemesis, Dr. Sam Loomis, ist bereits auf seiner Spur…
Nachdem Tommy Lee Wallace mit HALLOWEEN 3 – DIE NACHT DER ENTSCHEIDUNG (1982) glücklicherweise alles anders machen durfte, wenn auch mit herber Kritik, sollte sich Dwight H. Little wieder um den klassischen Weg bemühen, um für Moustapha Akkad den Rubel rollen zu lassen. Der gute alte Michael Myers musste also wieder aus der Mottenkiste gezogen werden.
Der Film startet sehr atmosphärisch mit Aufnahmen von Feldern und Bauernhöfen, kombiniert mit geschnitzten Kürbissen und anderer Halloween-Dekoration. Dazu gesellt sich ein düsterer Score von Alan Howarth, der insgesamt gelungen ist und auch das bekannte Carpenter Main-Theme des Originals hübsch auffrischt. Es dauert nicht lange, bis man Michael Myers in Action erleben darf. Der ist hier im Übrigen kurz mit bandagiertem Kopf zu sehen, was nach 10 Jahren Koma schon verwunderlich ist. Aber geschenkt. Überhaupt muss man hier in Sachen Logik einige Augen zudrücken, aber das steht im Genre eigentlich außer Frage. Nach Michaels Auftritt lässt auch Donald Pleasence nicht lange auf sich warten, der hier gleich ein Stück wahnsinniger wirkt, als in den Vorgängerfilmen. Kurzfristig bietet sich ihm sogar noch ein verrückter Reverend als Mitfahrgelegenheit an, der von dem Bösen spricht. Zwei Bekloppte, eine Flasche Whiskey. Herrlich. Aber so beschwingt bleibt der Film nicht. Dass die wichtigste Person neben Michael und Dr. Loomis ausgerechnet ein Kind ist, erhöht die Gefahr einer Bruchlandung, schließlich ist man im Slasher-Kino. Aber alles halb so schlimm, Jamie Lloyd, dargestellt von der damals 10jährigen Danielle Harris, wird erst im nächsten Teil zu einer Belastungsprobe der Nerven. Hier ist sie für ihr Alter ziemlich gut dabei. Das Dreigestirn von HALLOWEEN 4 ist also komplett. Die restlichen Darsteller sind soweit solide; es mangelt an Charakter und Ausstrahlung, aber das war nicht selten im US-Horrorkino jener Tage. Danielle Harris bekommt hier jedenfalls eine recht spannend inszenierte Einführungs-Sequenz, in der sie einen Traum / Vision von Michael Myers hat. Immer wieder vermag es Dwight H. Little kleine Spannungsmomente zu erzeugen, die in den besten Fällen auch noch atmosphärisch geraten sind. Die düstere Aura des Originals und auch der Fortsetzung von Rick Rosenthal fehlt hier freilich, aber für 1988 darf man sich nicht beschweren. Das herbstliche Ambiente und das Halloween-Feeling ist gelungen, zeigt aber ein wesentlich ruhigeres Haddonfield als man es in späteren Teilen präsentiert bekommt. Zumindest lässt sich schnell ein Bürger-Mob zusammen trommeln, was nicht ganz so armselig herüberkommt wie in HALLOWEEN KILLS (2021). Aber das macht die Reihe auch aus, denn die meisten Teile stehen für sich und haben einen eigenen Stil, ganz abgesehen von den unterschiedlichen Timelines etc., die diese Reihe hat. Egal. Anderes Thema. In Sachen Gewalt zeigt der Film kaum mehr, als das, was man aus den vorherigen Teilen kennt. Richtige Highlights sind im Gore-Bereich nicht zu verzeichnen, was aber überhaupt nichts macht, denn man setzt mehr auf jagen und gejagt werden, was den Film zumindest immer in Bewegung hält. Wenn der Fokus nicht auf Michael, Loomis oder Jamie liegt, bekommt man den üblichen Teenie-Quark um Jamies ältere Stiefschwester Rachel (Ellie Cornell) und ihren Freunden, die immerhin aus dem Filmleben scheiden dürfen.
HALLOWEEN 4 krankt an seinen Figuren, ist etwas zu poliert und handzahm, aber funktioniert als Horror-Slasher ganz gut und bietet fast alles, was der Fan der Reihe erwartet.
(Bjoern Candidus)
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