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Sole Survivor, 1984 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

NUR TOTE ÜBERLEBEN
(SOLE SURVIVOR, USA, 1983, Regie: Thom Eberhardt)

Wie durch ein Wunder überlebt Denise Watson unverletzt einen Flugzeugabsturz, bei dem die restlichen Passagiere alle zu Tode kommen. Und trotzdem ist nach ihrem Glück und dem Pech der Anderen Denise Leben nicht mehr wie vorher, denn ihr begegnen plötzlich Menschen, die eigentlich tot sein müssten. 

Thom Eberhardt serviert mit NUR TOTE ÜBERLEBEN einen sehr dichten Horrorfilm, der nicht nur eine Nähe zu CARNIVAL OF SOULS (1962) aufweist, sondern auch in Richtung JACOB‘S LADDER (1990), THE SIXTH SENSE (1999), FINAL DESTINATION (2000) und IT FOLLOWS (2014) blickt, auch wenn er stilistisch einen völlig anderen Weg geht. 

Mitten in der Slasher-Welle erblickte dieser sehr sonderbare Film das Licht der Welt und dürfte wohl deshalb ziemlich untergegangen sein. In Deutschland erschien Eberhardts Film sogar erst 1987 auf Video. Wer hier Sex, Gewalt und gute Laune sucht, ist völlig fehl am Platz. Stattdessen bekommt man ein sehr ruhig inszeniertes Mystery-Horror-Drama, was ein bisschen an das kanadische Horror-Kino der 70er-Jahre erinnert. Auch hier ist Weihnachten, aber nur am Rande, und statt Schnee fällt hin und wieder Regen. Die bedrückende Stimmung, die der Film von Anfang an hat, hält er bis zum Schluss durch, was für Eberhardt spricht. Zudem ist der Film gut ausgeleuchtet und zeigt sich in stimmungsvollen Farben. Als Kameramann fungierte Russell Carpenter, für den dieser Film sein Debüt als Kameramann war. Darauf fotografierte er Filme wie DIE PHANTASTISCHE REISE INS JENSEITS (1988) oder FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE 2 (1992). Der Score von David F. Anthony begleitet das Geschehen passend. Gelungen ist auch die fast gänzlich unbekannte Besetzung, allen voran Anita Skinner als Denise Watson, die ihre Rolle ziemlich ernst nimmt und damit gut durch den Film kommt. Neben GIRLFRIEDS (1978) blieb dieser Film ihr einziger. Bis auf Caren L. Larkey, die man aus GET OUT (2017) kennen könnte, hatten die meisten Darsteller hier ihren einzigen Auftritt. Richtige Fachkräfte sind also nicht am Werk, aber dafür ist das Spiel durchaus befriedigend. Es gibt wenig Highlights im Bereich der Effekte oder der Horror-Zutaten, die das Gros der Zuschauer 1983 vermutlich erwartet haben, zu verzeichnen. NUR TOTE ÜBERLEBEN setzt stark auf Dialog statt auf Gewalt und folgt einer Story, die einen vor Rätseln stellt. Manchmal ist die Inszenierung aber auch zu kriechend, tritt etwas auf der Stelle oder raubt einem die Luft zum atmen. Es kommt keine Auflockerung rein, was im Grunde als Stärke zu werten ist, aber den Film auch etwas sperrig macht. 

NUR TOTE ÜBERLEBEN macht es dem Zuschauer nicht immer leicht, aber wenn man am Ball bleibt, dann darf man einen atmosphärischen, teils unheimlichen Mystery-Totenreich-Horrorfilm erleben, der sich lediglich etwas zu viel Zeit nimmt. 

(Bjoern Candidus)

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