DAS ZEICHEN DES VAMPIRS
(MARK OF THE VAMPIRE, USA, 1935, Regie: Tod Browning)
Nachdem man Baron Karel Borotyn tot und blutleer in seinem Arbeitszimmer vorgefunden hat, glaubt Dr. Doskil und Professor Zelen, dass möglicherweise ein Vampir dafür verantwortlich war. Das deckt sich auch mit Aussagen von Anwohnern, die immer wieder dem sinistren Grafen Mora und seiner Tochter Luna begegnen, die sie für Vampire halten. Inspektor Neumann hingegen glaubt an einen menschlichen Mörder, und er hat auch schon einen Tatverdächtigen.
Vier Jahre nach dem Tod Browning Bela Lugosi als Dracula unsterblich machte, schickte er den gebürtigen Ungar in eine ähnliche Rolle, die erst am Ende des Films zum Umdenken des Zuschauers führen sollte. DAS ZEICHEN DES VAMPIRS ist Brownings Remake zu seinem verschollenen Stummfilm LONDON AFTER MIDNIGHT (1927) mit Lon Chaney, der zumindest auf diese Art mehr oder weniger gerettet wurde.
Wie schon sein außergewöhnliches Horror-Drama FREAKS (1932) stand auch DAS ZEICHEN DES VAMPIRS unter keinem guten Stern. Während FREAKS wenigstens noch für ein Testpublikum ungekürzt zu sehen war, hat das Studio bei DAS ZEICHEN DES VAMPIRS direkt eingegriffen und dem Film gut 20 Minuten geraubt. MGM wollte einen familientauglichen Film und so wurde Brownings Vision entstellt. Übrig geblieben ist dennoch ein ordentlich fotografierter, höchst charmanter Horror-Krimi mit einer sanften Gruselatmosphäre, netten Studiokulissen und einer sympathischen Besetzung. Sogar an etwas Humor wurde gedacht, der möglicherweise vom Studio so gewollt wurde, aber gar nicht stört.
Das Vampir-Thema wird anfänglich klassisch erzählt, wie man es von Stokers Roman kennt und wie Browning es bereits 1931 präsentierte. Das ganze wird dann mit Krimi-Elementen angereichert und endet mit einem interessanten Twist, der allerdings auch Logikbrüche mit sich bringt, die möglicherweise der Zensur geschuldet sind. Das tut dem Ganzen aber keinen Abbruch, denn der Weg bis zum Ende ist ein schöner.
Der van Helsing dieses Films, der sich mit Vampiren auskennt, ist Professor Zelen, der von Lionel Barrymore dargestellt wird, während Bela Lugosi die Rolle von Graf Mora bekleidet und im Grunde genauso aussieht wie als Dracula. An seiner Seite ist Carroll Borland als Luna, die in ihrer Rolle zu einer kleinen Ikone wurde.
Obwohl der Film mehr Krimi als Horrorfilm ist, liefert Browning dennoch die obligatorischen Zutaten, wie ein finsteres Schloss voller Spinnweben und Fledermäuse, einen modrigen Friedhof und Nebelschwaden wie aus dem Bilderbuch.
DAS ZEICHEN DES VAMPIRS ist ein cleverer Film, der leider etwas sprunghaft und nicht immer schlüssig ist, aber dennoch mit seinen vielen Vorzügen überzeugen kann.
(Bjoern Candidus)
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