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Soldier Blue, 1970 – ★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

DAS WIEGENLIED VOM TOTSCHLAG
(SOLDIER BLUE, USA, 1970, Regie: Ralph Nelson) 

Nachdem der Soldat Honus Grant und die schöne Cresta Lee einen Überfall von Cheyenne-Indianern auf einen Soldaten-Treck überlebt haben, müssen sie sich tagelang zu Fuß durchs Land schlagen, was weitere Gefahren birgt. Da Cresta sehr aufgeschlossen gegenüber den Cheyenne ist, kommt es zwischen den Beiden zu Diskussionen, denn Honus hat, wie die meisten Weißen, einen tiefen Hass auf alle Indigenen. Als sie einem Armee-Trupp begegnen, stellen sie fest, dass dieser einen Angriff auf die Cheyenne plant. Cresta warnt die Cheyenne, die daraufhin mit einer weißen Flagge Frieden symbolisieren wollen. Dann feuert die Armee ihre erste Kanonenkugel ab und startet ihr Massaker. 

Ralph Nelsons Regiearbeit geht auf das Sand-Creek-Massaker zurück, was am 29. November 1864 von der Colorado National Guard unter der Führung von John M. Chivington in Colorado stattgefunden hat. Dabei wurden mehr als 130 Cheyenne- und Arapaho-Indianern auf übelste ermordet. Die meisten Opfer waren Frauen und Kinder. Was Nelson und Drehbuchautor John Gay daraus gemacht haben, ist ein fragwürdiges Unterfangen, was für mich nur in Ansätzen funktioniert hat. 

Konnte mich der Film anfangs noch mit seinen opulenten Landschaftsaufnahmen packen, hat er mich ebenso schnell wieder losgelassen. Visuell bleibt die Inszenierung durchgehend anspruchsvoll, und grundsätzlich gäbe es auch an der Besetzung durch Candice Bergen als Cresta und Peter Strauss als Honus nichts auszusetzen. Auch wenn die unterschiedlichen Einstellungen von Cresta und Honus über Indianer thematisiert werden und immer wieder zum Konflikt führen, wirken die Figuren unpassend, manchmal fast lächerlich und treiben den Film in eine Richtung, die einfach nicht zum schmerzvollen Finale passen will. Da passt Donald Pleasence als Waffenschmuggler Isaac Q. Cumber noch am besten. Aber der gute Mann wertet ohnehin jeden Film auf.  

Haben die beiden langweiligen Figuren dann endlich ihr Ziel erreicht, wird man Zeuge eines barbarischen Angriffs von rassistischen weißen Soldaten, die gnadenlos indigene Männer und vor allem Frauen und Kinder vergewaltigen und auf grausamste Art umbringen. Plötzlich reißt Ralph Nelson das Ruder um und fokussiert sich wieder auf den historischen Hintergrund, den er mit Gore-Szenen anreichert, die für ein Kinopublikum von 1970 sicherlich starker Tobak waren und auch heute noch wirken. Aber was bringen die grausamsten Details eines Geschichtsdramas, wenn es inhaltlich brachliegt? Andererseits bedarf es manchmal auch keiner großen Worte, um Menschen die Grausamkeit anderer Menschen beizubringen. 

Wie dem auch sei, DAS WIEGENLIED VOM TOTSCHLAG ist weder Fisch noch Fleisch. Ein Film, der jede Menge Zeit verschwendet, die er auf sinnvolle Art hätte nutzen können, um auf das eigentliche Thema viel intensiver einzugehen.

(Bjoern Candidus)

←Helga: She Wolf of Stilberg, 1977 – ★½
The Last Hunter, 1980 – ★★★½→

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