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Love Letters of a Portuguese Nun, 1977 – ★★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

DIE LIEBESBRIEFE EINER PORTUGIESISCHEN NONNE
(Deutschland, Schweiz, 1977, Regie: Jess Franco)

– Dies ist die Geschichte eines Mädchens, das einen Brief an Gott schrieb… Gott hat geantwortet. –

Die 16-jährige Maria wird beim Zeitvertreib mit einem jungen Mann ertappt. Pater Vincente empfiehlt ihrer Mutter, das Mädchen ins Kloster zu schicken, um den Weg der Tugend zu finden. Ihre Mutter willigt ein und schickt Maria in die strengen Hände der Kirche. Doch in diesem Kloster huldigt man nur vordergründig Gott. Pater Vincente und die Oberin huldigen eigentlich dem Teufel. Nachdem sie Maria nach einer Reihe von Demütigungen und Züchtigungen in ein satanisches Ritual verwickeln, in dem der Teufel persönlich erscheint, will diese die abtrünnigen Gottes verraten und flieht. Als sie dem Bürgermeister erzählt, was sie erlebt hat, glaubt der ihr nicht und bringt sie zurück auf das Kloster, wo man sie zum Tode durch den Scheiterhaufen verurteilt. 

DIE LIEBESBRIEFE EINER PORTUGIESISCHEN NONNE ist eine weitere Gemeinschaftsarbeit zwischen Jess Franco und dem Schweizer Produzenten Erwin C. Dietrich. Inhaltlich nimmt der Film Bezug auf die Briefe der portugiesischen Nonne Mariana Alcoforado, die sie im Jahr 1669 geschrieben haben soll. 

Handwerklich kann sich die Produktion sehen lassen. Peter Baumgartner hat eine ordentliche Fotografie geliefert. Gedreht wurde in historischen Bauten in Portugal. Der Kloster-Schauplatz entfesselt eine dichte Atmosphäre, die das 17. Jahrhundert authentisch präsentiert. Gleiches gilt auch für die Kostüme und die Ausstattung. Für den Score zeichnete sich Walter Baumgartner verantwortlich. Die Größe von Francos Nonnen-Epos DIE NONNEN VON CLICHY (1973) wird zwar nicht erreicht, aber verstecken muss sich dieser Film auch nicht davor. Es gibt ein paar missratene Szenen und manchmal macht sich etwas Eintönigkeit breit, die aber schnell wieder verfliegt. 

Mit der damals erst 16-jährigen Susan Hemingway liegt man hier goldrichtig. Sie sieht nicht nur aus wie die Unschuld vom Lande, sie spielt auch so. Besonders in den sadistischen Szenen, wenn es um Folter und sexuelle Demütigungen geht, ist der Kontrast zwischen ihr und dem, was ihr widerfährt, sehr krass. Man hat sich hier wirklich einiges Garstiges einfallen lassen, um Hemingway als Maria Rosalea Coutinho zu quälen und den Zuschauer zu befriedigen, in welcher Hinsicht auch immer. Etwas sonderbar ist William Berger als Pater Vincente, der permanent so wirkt, als wollte er gleich laut loslachen. Vielleicht war Berger einfach nur dicht. Und wo ein Österreicher ist, ist auch gerne ein weiterer, in diesem Fall Herbert Fux, der erneut den Teufel spielen darf, wie auch schon bei Dietrichs Film DER TEUFEL IN MISS JONAS (1974). Die Oberin, bzw. Hohe Priesterin wird von Ana Zanatti verkörpert, die ziemlich unspektakulär bleibt.  

Okkulte Sexrituale, lesbische Spielchen, Folter, Blut, Demütigungen, Lügen, der Schrecken der Inquisition… DIE LIEBESBRIEFE EINER PORTUGIESISCHEN NONNE hält alles bereit, was man vom europäischen Exploitation-Kino der 70er-Jahre erwarten kann, und sogar ein Hauch von Tiefgang ist hier zu spüren. 

(Bjoern Candidus)

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