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The Vanishing, 1988 – ★★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

SPURLOS VERSCHWUNDEN
(SPOORLOOS, Frankreich, Niederlande, 1988, Regie: George Sluizer)

Ein Pärchen aus Amsterdam möchte in Frankreich Urlaub machen. Auf der Hinfahrt nach Frankreich gibt es bereits ein erstes Problem, wenn ihr Auto streikt und sie in einem Tunnel stecken bleiben. Es kommt zu einem Streit, der sich schnell auflöst, als sie eine Tankstelle erreichen, wo sie ihren Benzinkanister auffüllen wollen. Als Saskia noch Getränke kaufen möchte, trennen sich ihre Wege. Saskia kommt nicht wieder und für Rex beginnt der Alptraum seines Lebens. Wie ein Besessener begibt sich Rex auf die Suche nach Saskia, bis sich plötzlich ein Mann meldet, der behauptet zu wissen, was mit Saskia passiert ist.

Es gibt Filme, die man nie wieder vergisst. Szenen, die sich festbrennen. Geschichten, die etwas mit einem machen. SPURLOS VERSCHWUNDEN von George Sluizer ist einer dieser Filme, und ich werde meine Erstsichtung in meiner Jugend Mitte der 90er-Jahre nie vergessen. Selbst die garstigsten Horrorfilme, die ich zu diesem Zeitpunkt bereits gesehen hatte, konnten nicht die Wirkung erzielen, wie es dieses Psycho-Thriller-Drama getan hat.

Basieren tut SPURLOS VERSCHWUNDEN auf dem Roman „Das goldene Ei“ („Het Gouden Ei“, 1984) des niederländischen Schriftsteller und Schachmeister Tim Krabbé. Und was vielen nicht gelingt, ist George Sluizer gelungen: eine sehr adäquate Umsetzung einer literarischen Vorlage auf Film zu bannen. 

In den ersten 25 Minuten lernt man Rex und Saskia kennen. Dann verschwindet Saskia und während Rex seine obsessive Suche nach ihr startet, lernt man den Täter, Raymond Lemorne, kennen, den man bereits vorher kurz gesehen hat. Er lebt mit seiner Familie in einem Haus in Frankreich. Für das Wochenende hat Familie Lemorne noch ein weiteres Haus in der Abgeschiedenheit der Natur, und das ist auch unter der Woche der Ort von Raymonds Schattenseite. Dort führt er Äther-Experimente durch und übt, wie er Frauen entführen kann. Außerdem bringt er dort seine Familie spielerisch zum schreien, um herauszufinden, ob die Nachbarn die Schrei hören. Selten wird ein Psychopath so realistisch und „normal“ dargestellt. Raymond ist einerseits ein aufrichtiger Familienvater, der seine Frau und seine beiden Töchter liebt, anderseits ein Psychopath, der sich eine wahnsinnige Idee in den Kopf gesetzt hat. Dargestellt wird Raymond von Bernard-Pierre Donnadieu, den er wirklich erschreckend realistisch verkörpert.

Aber auch Gene Bervoets macht als Rex eine gute Figur. Das Leid ist ihm sichtlich ins Gesicht gebügelt. Drei Jahre lang startet er immer wieder Suchplakataktionen, tritt in Fernsehsendungen auf oder lässt sich von Raymond zu Orten bestellen, an denen sich Raymond dann nicht zu erkennen gibt. Und so wechselt Sluizers Inszenierung zwischen dem Leben von Raymond und Rex hin und her, bis sie sich endlich treffen. 

Jemanden einfach zu verlieren, nicht zu wissen, was aus ihm geworden ist, ist eine der schlimmsten Vorstellungen. Das ist der wahre Horror, und mit diesem wird man hier permanent konfrontiert. Rex ist nachvollziehbar, authentisch und lädt zum mitleiden ein. Sluizer schafft es mit seiner dokumentarischen, realistischen Art, das Geschehen spannend zu gestalten, ohne auf billige Effekte oder plumpe Tricks zurückgreifen zu müssen. Der trübsinnige Score von Henny Vrienten erledigt den Rest, um sich bei SPURLOS VERSCHWUNDEN unwohl zu fühlen. Bis zum bitteren Ende hält Sluizer die Antwort auf die Frage, was mit Saskia passiert ist, zurück, und er beantwortet sie mit einem Schlag ins Gesicht. 

SPURLOS VERSCHWUNDEN ist das Paradebeispiel für einen Psycho-Thriller. Ein Film, der mich bis in Mark erschüttern konnte und bis heute nichts von seiner Faszination und seinem Schrecken verloren hat. 

(Bjoern Candidus)

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