PARANOIA
(Frankreich, Italien, Spanien, 1970, Regie: Umberto Lenzi)
Helen erhält einen Brief, in dem sie ihr Ex-Mann Maurice bittet, ihn auf Mallorca besuchen zu kommen. Als Helen in dem Urlaubsparadies ankommt, staunt sie nicht schlecht, denn Maurice ist inzwischen mit Constance verheiraten. Aber auch Maurice ist verwundert, denn er hat seine Ex-Frau gar nicht eingeladen, sondern Constance, und die lässt Helen schnell wissen, was sie im Schilde führt. Sie möchte sich von Maurice lösen und ihn mit Hilfe von Helen ins Jenseits befördern. Natürlich nicht, ohne Helen dafür zu bezahlen, denn schließlich hat Constance, im Gegensatz zu Maurice, Geld. Bei einem Segeltörn will Constance ihren Plan umsetzen, doch dann kommt alles ganz anders.
Umberto Lenzi war ein fleißiger Regisseur und wie Sergio Martino oder Lucio Fulci hat er sämtliche Strömungen des italienischen Genre-Kinos bedient. Western, Sandalen-, Polizei-, Gangster- oder Horrorfilme sind in seiner Filmografie zu finden. Aber auch eine ganze Reihe von Gialli hat er gedreht, in denen nicht selten Carroll Baker mitspielt. PARANOIA ist einer dieser Filme, der dicht gefolgt nach seinen Gialli ORGASMO (1969) und KILL ME, KILL ME! (1969) folgte.
Mit einem waschechten Giallo mit den üblichen Merkmalen, wie dem unbekannten Killer mit Messer und Handschuhen, einer großen Anzahl von Tatverdächtigen oder ausgedehnten Morden, hat man es hier nicht zu tun. Aber die Bezeichnung „Giallo“ ist ja sehr dehnbar und PARANOIA darf gerne als solcher bezeichnet werden.
Obwohl das Meiste auf der Hand liegt und sich für den Zuschauer keine Frage nach der Identität des Killers stellt, liefert Lenzi durchaus Spannung, die sich zwischen den Figuren und ihrem Handeln auftut. PARANOIA funktioniert als Dreiecksbeziehungs-Thriller ganz wunderbar. Neben der schönen Carroll Baker als Helen ist Anna Proclemer als Constance an Bord. Ihre Tochter Susan wird von Marina Coffa gespielt, die eine Ähnlichkeit mit Margot Kidder hat. Und der Hahn im Korb, der nichts anbrennen lässt, wird von Jean Sorel verkörpert, mit dem man eigentlich nie was falsch gemacht hat.
Lenzi verzichtet auf düstere Bilder, weitestgehend auf grafische Gewalt und liefert stattdessen einen Thriller vor der sommerlichen Kulisse von Mallorca mit schönen Buchten, Schiffen, Fincas und Berglandschaften. Etwas langweilig kommt der Soundtrack von Nino Rota daher, und der Song „You“ läuft mindestens einmal zu oft.
PARANOIA ist ein sehr spannender Beziehungs-Thriller vor schöner Kulisse, der lediglich ein bisschen zu lang geraten ist, aber von den Darstellern stets getragen wird.
(Bjoern Candidus)
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