DIE LETZTE STUNDE
(ANIMALES RACIONALES, Spanien, 1983, Regie: Eligio Herrero)
Endlich ist es passiert: der Atomkrieg ist ausgebrochen und hat alles vernichtet. Fast! Drei zufällig ausgewählte Personen, eine Frau und zwei Männer, erwachen irgendwo in einer felsigen Wüste nahe dem Meer. Was auch immer wie und warum genau passiert ist, weiß niemand, aber es hat den Herrschaften offensichtlich die Sprache verschlagen. Nachdem sie fleißig durch die Ödnis irren, stoßen sie auf einen Schäferhund, der sie geradewegs zu einer Oase mit Bäumen und Tieren führt. Dort lassen sich die Drei nieder und folgen fortan ihren niederen Instinkten, die immer mehr die Oberhand gewinnen. Sex, Gewalt und gute Laune in Neu-Neandertal bestimmen den Alltag. Doch die Laune kippt irgendwann…
Also Humorlosigkeit und Ideenarmut kann man Eligio Herrero, der auch die Story zu diesem endzeitlichen Wahnsinn schrieb, nicht vorwerfen. Für den Gagaismus, der hier serviert wird, hätte er einen Sonderpreis verdient. Anfangs könnte man noch den Eindruck gewinnen, es mit einem Endzeitfilm zu tun zu haben, der gleich Antworten auf eventuelle Fragen liefert. Doch schnell wird man feststellen, dass hier gar nichts beantwortet wird; es wird nicht mal gefragt, da keiner der Drei sprechen kann. Wenn man sich die Blondine mit dem rosa Kleid, den Dieter Bohlen-Typ mit dem Verstand eines Dreijährigen und den Kerl, der vielleicht einem Heavy Metal-Porno entsprungen ist, anguckt, darf man froh sein, dass hier jeder den Rand hält. Nachdem sie am Strand von Krebsen, die kleine Bläschen machen können, verunsichert werden, bevor sie herausfinden, dass man sie essen kann, begegnen sie einem Schäferhund, der sie zu einer Oase führt, in der Adam, Adam und Eva einer neuen Zukunft entgegenblicken können. Dass diese Zukunft vor allem aus Sex besteht, wird nicht nur für die Beteiligten zum Highlight, sondern im besten Fall auch für den Zuschauer. Und so fickt hier alles wild durcheinander, und selbst der Hund darf seine Geilheit an Eva erproben, was die beiden Adame eifersüchtig macht, aber die können sich ja auch gegenseitig beglücken. Die gewisse Nähe zu PLANET DER AFFEN (1968), die ganz kurz durchblickt, wird also schnell im Keim erstickt. Eigentlich wird hier jeder vernünftige Ansatz im Keim erstickt, was DIE LETZTE STUNDE zu einem filmischen Sonderling der Extraklasse werden lässt. Im letzten Drittel mischt sich zwischen Sex auch Gewalt mit ins Geschehen oder geht unmittelbar einher.
DIE LETZTE STUNDE ist ein unglaublich ranziger Endzeit-Sexfilm aus Spanien, der jeglicher Norm ins Gesicht spuckt. Herrlich.
(Bjoern Candidus)
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