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Alucarda, 1977 – ★★★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

ALUCARDA – TOCHTER DER FINSTERNIS
(ALUCARDA, LA HIJA DE LAS TINIEBLAS, Mexiko, 1977, Regie: Juan López Moctezuma) 

Nachdem Lucy Westenra, die Mutter von Alucarda, kurz nach der Geburt ihrer Tochter stirbt, wächst das Mädchen in einem Kloster auf. Die Angst der Mutter, der Teufel könnte sie holen, wird vorerst gebannt. Doch als sie 15 ist, kommt Justine, eine weitere Waise, mit der sie sich ihr Zimmer in dem strengen Kloster teilen muss. Alucarda ist begeistert von ihrer neuen Freundin. Als sie ihr den Wald zeigt, stoßen die beiden auf einen Buckligen mit Ziegenbart und seiner Gefolgschaft, die im Wald kampiert. Er will ihnen Schutzamulette verkaufen und warnt sie vor finsteren Kreaturen, die auf sie warten. Doch die beiden Mädchen laufen davon und landen in einem mysteriösen Haus mit dämonischen Fresken, was Alucarda bekannt vorkommt. Als sie einen Sarg mit der Inschrift „Lucy Westenra“ entdecken, springt das Böse auf Alucarda über.

Wer die eigensinnige Poe-Adaption DIE VILLA DES WAHNSINNS (1973) von Juan López Moctezuma kennt, kann sich in etwa vorstellen, was passiert, wenn sich der Mexikaner auf den Teufel ein lässt. Es bricht ein Inferno aus wahnsinnigen Bildern los. 

ALUCARDA greift gleich mehrere Themenbereiche auf. Okkult-Horror mit Besessenheit, (Aber-)Glaube, Hex- und Nunploitation und Elemente von Le Fanus „Carmilla“ (1872) und Stokers „Dracula“ (1897) knallen hier aufeinander und vereinen sich zu einem wahren Schocker der 70er-Jahre, der sehr in Vergessenheit geraten ist, was völlig unverständlich ist. Obwohl die Themen bekannt sind, werden sie auf drastische Art neu arrangiert und interpretiert. Die Freundschaft zu Alejandro Jodorowsky wird hier mehr als deutlich. 

ALUCARDA kommt wie ein finsteres Märchen daher, in dem die Gefahren an allen Ecken lauern. Das dreckige Kloster ist ein Ort der Qual, in der sich die Geistlichen für Gott bis aufs Blut auspeitschen lassen und ihren Wahnsinn in die Mädchen impfen, die sie vor dem Übel des Lebens bewahren wollen. Der umliegende Wald wird von Hexen und sinistren Gestalten bewohnt, die sich als direkte Handlanger des Teufels herausstellen. Und auch der Herr der Fliegen darf in einer seiner Formen persönlich aufmarschieren. Die Intensität mit der Moctezuma hier vorgeht, ist unglaublich und explodiert förmlich in Schmerz, Blut und Feuer. Ab der Mitte des Films bekommt man fleißig Blut und Gewalt geliefert. Es kommt zu einer heftigen Enthauptung, zu blutigen Peitschenhiebe, zur Nadel-Folter im Rahmen eines Exorzismus und zu Menschen die zu lebenden Fackeln werden. 

Mit Tina Romero als Alucarda und Susana Kamini als Justine sind zwei schöne Frauen am Start, die gerade dazu geschaffen sind, dem Teufel zu verfallen. Aber auch untereinander ist ,zumindest seitens Alucarda, mehr als nur Freundschaft, sondern Liebe, die den Kreis zu „Carmilla“ schließt, die ja ein homosexueller Charakter ist. Und so würzt Moctezuma ALUCARDA noch mit Nacktheit und Sex-Ritualen. Aber hier ist ja auch der Teufel am Werk, und der lässt jede Spielart zu, die Spaß macht.

ALUCRADA ist ein bizarrer, teils höchst unangenehmer Horrorfilm, der sich von keiner Norm gefangen hält und wahrhaft satanische Momente bietet, die man so nur selten zu sehen bekommt. 

(Bjoern Candidus)

←Killing Birds, 1988 – ★½
Exterminators of the Year 3000, 1983 – ★★★½→

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