PLAYGROUND
(PLAC ZABAW, Polen, 2016, Regie: Bartosz M. Kowalski)
PLAYGROUND wurde durch den Mord an dem dreijährigen James Bulger durch zwei Zehnjährige in Liverpool im Jahre 1993 inspiriert. Der polnische Regisseur Bartosz M. Kowalski, der hier sein Debütfilm abgeliefert hat, bewegt sich von Anfang bis Ende auf einem fast dokumentarischen Weg, der der Inszenierung eine unheimliche Authentizität verpasst. Die sommerlichen Tageslichtaufnahmen bauen eine trügerische Atmosphäre auf. Einen gemütlichen Filmabend kann man sich mit diesem Werk wahrlich nicht machen. Auch wenn die Tötung erst in den letzten fünf Minuten zu sehen ist und der Zuschauer die Tat glücklicherweise nur aus der Ferne beobachten kann, zieht sich hier permanent die Schlinge immer fester um den Hals des Betrachters. Man wird zum Voyeur einer verabscheuungswürdigen Tat, und man darf sich zu Recht fragen, warum man sich das überhaupt anguckt. Dieser Umstand ist vermutlich auch das Hauptproblem, was die meisten Menschen mit dem Film haben werden. Verständlich.
Die beiden Jungen, die hier ein paar Jahre älter sind als die damals erst zehnjährigen Mörder Jon Venables und Robert Thompson aus England, bekommen viel Sceentime. Man erlebt ihren Tagesablauf, der eigentlich nichts besonderes zeigt, obwohl schnell klar wird, dass sie nicht unbedingt die freundlichsten Kinder sind. Dennoch verweigert sich der Film glücklicherweise jeglicher Erklärung. Es wird kein Versuch unternommen, zu ergründen, warum zwei Kinder ein anderes Kind entführen und auf grausame Art misshandeln und schließlich töten. Ebensowenig gibt es ein Nachspiel für die beiden. Nach dem Mord ist der Film zu Ende und hat mich mit einem unangenehmen Gefühl zurückgelassen.
PLAYGROUND ist gut besetzt, äußerst authentisch und kommt eiskalt und ohne Schnörkel daher. Ein Schlag ins Gesicht, der keinen kalt lassen sollte.
(Bjoern Candidus)
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