DES TEUFELS SAAT
(DEMON SEED, USA, 1977, Regie: Donald Gammell)
Proteus ist eine von Wissenschaftler Alex Harris erschaffene KI, ein riesiger Computer, der permanent mit Wissen gefüllt wird und immer mehr einen eigenen Wissensdrang entwickelt. Das geht soweit, dass Proteus immer mehr ein eigenes Bewusstsein schafft, was sich schließlich fortpflanzen möchte. Dafür benötigt er eine Frau, die er in Susan, der Ehefrau von Alex findet. Als Alex mal wieder nicht zu Hause ist, übernimmt Proteus die Funktionen des mit Hightech ausgestatteten Haus der Harris und hält Susan gefangen, um seinen Fortpflanzungsplan auszuführen.
Donald Gammell (PERFORMANCE, 1970) hat hier den Roman „Demon Seed“ (1973) von Dean R. Koontz adaptiert. Koontz Roman stammt aus seinem Frühwerk und wurde in den 90er-Jahren von ihm bearbeitet und auf neustem technologischen Stand gebracht. In Zeiten, in denen der Begriff KI zum normalen Tagesgeschehen gehört, gewinnt DES TEUFELS SAAT eine ganz neue Bedeutung. War der Film 1977 noch viel mehr Science-Fiction, haben sich gewisse Dinge heute schon bei vielen im Alltag etabliert. Fensterläden und Heizungen, die sich per Smartphone bedienen lassen, Licht, was sich nach Programmierung ein- und ausschaltet, Kameraüberwachungen, die man von überall einsehen kann sind nichts Ungewöhnliches mehr. Der von Alex Harris und seinem Team geschaffene Computer, Proteus, ist quasi die große Ur-Version von ChatGPT, die KI, die heute viele selbst zum Kacken mit auf‘s Klo nehmen. Hier präsentiert sich Proteus als riesiger Computer, der in einem Labor steht und nicht genug Wissen bekommen kann. Das Einzige, was er nicht erfahren kann, sind menschliche Gefühle und Emotionen, und dafür braucht er ein Kind. Ein weiteres Thema, was sich heutzutage auftut, wenn es um die kreative Schaffenskraft von KIs geht. Dass es dann noch zu einer maschinellen Vergewaltigung zwischen Proteus und Susan kommt, ist schon recht gewagt für 1977, schließlich handelt es sich hierbei um eine Produktion eines großen Studios (MGM).
Inhaltlich ist DES TEUFELS SAAT definitiv sehr interessant. Aber auch die wenigen Darsteller lassen die Produktion wertig erscheinen. Julie Christie (WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN, 1973) ist als Susan Harris an Bord, während Fritz Weaver (DER MARATHON-MANN, 1976) Alex Harris spielt. Proteus selbst ist ständig zu hören oder zeigt sich durch Konstruktionen, die er selbst oder Alex geschaffen hat.
Die Atmosphäre ist durchgehend düster und beklemmend und die Mischung aus Sciece-Fiction- und Horrorfilm ist sehr ausgeglichen. Zudem seien die Spezialeffekte und Modelle zu loben. Hier werden ein paar richtig bizarre Ideen aufgefahren, auch wenn einiges an Spielzeit vergeht, bevor sie sich präsentieren. Das soll allerdings nicht heißen, dass davor nichts passiert. Ganz im Gegenteil, doch basiert das Geschehen weniger auf Action und Blut als auf Dialoge und Auseinandersetzungen mit dem eigentlichen Thema, was mit Bekanntgabe der geplanten Vaterschaft seitens Proteus natürlich reichlich absurd wird. Nichtsdestotrotz hat mir die Idee sehr gut gefallen und sie wurde auch ordentlich umgesetzt.
DES TEUFELS SAAT ist ein packender Science-Fiction-High-Tech-Thriller, gedreht durch die Brille der dystopischen 70er-Jahre, der gerade heute sehr aktuell wird, wenn es um die Gefahren von KIs geht.
(Bjoern Candidus)
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