DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM
(L‘IGUANA DALLA LINGUA DI FUOCO, Deutschland, Frankreich, Italien, 1971, Regie: Riccardo Freda)
Die ehemalige Geliebte des Schweizer Botschafters Sobiesky wird ermordet aufgefunden. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Als ein weiterer Mord geschieht, nimmt sich Detektive John Norton dem Fall an. Der glaubt, dass der Mörder im Umfeld Sobiesky zu finden ist, möglicherweise sogar in seiner Familie.
Freda, der (zusammen mit Mario Bava) mit DER VAMPIR VON NOTRE DAME (1957) mal eben das italienische Gothic-Horrorkino aus dem Ärmel schüttelte, serviert hier einen waschechten Giallo mit dem er allerdings auch eine lange Pause seines Filmschaffens einläutete. Besonders am Anfang, in dem pompösen Landsitz, erkennt man noch den Gothic-Horror-Anstrich, den Freda mit typischen Giallo-Elementen (schwarze Handschuhe, Rasiermesser) kombiniert. Dann holt Freda aber direkt zum Schlag in die Magengrube aus und schickt hinter einer Säure-Attacke einen sehr blutigen Kehlenschnitt mittels Rasiermesser hinterher und verdeutlicht den Zeitgeist der 1970er-Jahre. Freda dient hier fast als Brücke zwischen Mario Bavas IM BLUTRAUSCH DES SATANS (1971) und Dario Argentos ROSSO – DIE FARBE DES TODES (1975). Leider kann Freda, der mit seinem Film selbst nicht ganz zufrieden war, nicht die gleiche Qualität in Sachen Gewalt und Spannung liefern, hat aber dennoch genug zu bieten, was den geneigten Giallo-Fan begeistern dürfte. An Blut mangelt es dem Film jedenfalls nicht. Vor allem kann Freda Punkte sammeln mit den Leuten, die er vor der Kamera versammelt hat. Roger Moore, der angeblich als Detektive vorgesehen war, bekam Freda nicht, dafür ist der wunderbare Luigi Pistilli (DER SCHWANZ DES SKORPIONS, 1971) eingesprungen, der immer etwas grundsympathisches hat, ganz im Gegensatz zu den anderen Herrschaften, wie Anton Diffring (FAHRENHEIT 451, 1966), Werner Pochath (MOSQUITO – DER SCHÄNDER, 1977) und Niall Toibin (RAWHEAD REX, 1986). Die meisten Figuren, die hier auftauchen, sind unangenehmer Natur, was natürlich keine Seltenheit im Giallo-Kino ist, denn jeder soll ja schließlich als Täter infrage kommen. Unter den Damen befindet sich Dagmar Lassander (FEMINA RIDENS, 1969) und Dominique Boschero (SCHREIE IN DER NACHT, 1969). Was bei DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM sofort auffällt, ist der Ort, bzw. das Land des Geschehens: Irland. Anfänglich ist man an der Küste, später in Dublin, wo durchaus atmosphärische Aufnahmen entstanden sind. Regen, Gewitter und Nebel steigern zusätzlich die düstere Stimmung. Und wem diese Wetterverhältnisse nicht reichen, darf sich auch noch auf Schnee freuen, denn für wenige Minuten ist man auch in den Alpen unterwegs. Freda sorgt also durchaus für Abwechslung. Abgerundet wird das Ganze mit einem Score von Stelvio Cipriani, der diesmal nicht ganz so eingängig ist.
Zwielichtige und schmierige Figuren, blutige Morde und seltene Schauplätze sind die Vorzüge von DIE BESTIE MIT DEM FEURIGEN ATEM. Dass die Story nicht besonders mitreißt und ein gewisser Qualitätsschwund an einigen Ecken zu erkennen ist, ist zu verschmerzen.
(Bjoern Candidus)
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