STEPHEN KING’S NACHTSCHICHT (GRAVEYARD SHIFT, USA, 1990, Regie: Ralph S. Singleton)
John Hall sucht einen Job. Da kommt ihm eine alte Spinnerei wie gelegen, denn in der sucht man noch Leute. Eine ganz besondere Aufgabe steht an: die Reinigung und Desinfektion der Kellergewölbe der Spinnerei. Doch diese werden von abertausenden Ratten bevölkert, die nur die Vorhut von etwas Schrecklicherem sind, was in den Tiefen haust.
1990 war ein starkes King-Jahr. ES, MISERY, GESCHICHTEN AUS DER SCHATTENWELT – DER FILM (Segment: DIE HÖLLENKATZE) und NACHTSCHICHT sollten ihr Publikum finden, was soweit auch gelungen ist. Mit NACHTSCHICHT griffen Regisseur Ralph S. Singleton und Drehbuchautor John Esposito in Kings Kurzgeschichtensammlung „Nachtschicht“, um die titelgebende Story (in Deutschland „Spätschicht“) als Film aufzublasen.
Das Ergebnis wurde ein düsterer Tierhorror-Monster-Film, der sich in erster Linie durch seine faulige Atmosphäre auszeichnet. Die alte Spinnerei voller Moder und Nässe macht, innen wie außen, ordentlich was her und wird kombiniert mit einem halbversunkenen Friedhof. Überall wimmelt es von Ratten, und irgendwo lauert eine Kreatur Jenseits der Vorstellungskraft des Reinigungstrupps, der in die alten Gewölbe der Spinnerei absteigt, um seine Arbeit zu verrichten.
Der Trupp besteht aus einer Ansammlung von Klischeefiguren, die zwar allesamt gut gecastet wurden, allen voran Brad Dourif als Kammerjäger und Stephen Macht als Arschloch-Vorarbeiter Warwick, aber irgendwann nur noch mit ihrem Männlichkeitsgetue nerven. David Andrews bleibt als Hauptfigur John Hall sehr ausdruckslos, was auch für Kelly Wolf als Jane Wisconsky gilt. Zum mitfiebern lädt hier niemand ein, und das ist auch das Hauptproblem von NACHTSCHICHT.
Ein bisschen Blut, Ekel, die siffigen Gewölbe der Spinnerei und die Ratten können die ätzenden Figuren nicht vollends wieder gutmachen. Leider kann auch die anfängliche Spannung nicht gehalten werden, und so kippt die Inszenierung irgendwann in einen lauwarmen Horrorfilm, der zumindest im Finale ein schönes Monster liefert.
NACHTSCHICHT ist keine Offenbarung, aber für King- und Tierhorror-Fans durchaus interessant genug.
(Bjoern Candidus)
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