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Cruising, 1980 – ★★★★★

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

CRUISING
(Deutschland, USA, 1980, Regie: William Friedkin)

In der New Yorker Schwulen-Szene treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der seine Opfer in der SM-Lederszene findet. Die Polizei sucht nach Anhaltspunkten und schickt ihren Mitarbeiter Steve Burns auf einen Undercover-Einsatz, in dem er die Identität eines Homosexuellen annimmt, der schnellen Sex in der Szene sucht. Immer wieder geraten Typen in sein Visier, und er muss schmerzlich mit ansehen, wie die New Yorker Polizei Homosexuelle behandelt. Burns gerät immer mehr in eine Krise, die für ihn brandgefährlich wird.

Der große William Friedkin hat mit CRUISING Gerald Walkers gleichnamigen Roman adaptiert, der einen in die anonymisierte Welt der homosexuellen Leder-SM-Szene entführt, die vor allem für ein heterosexuelles Publikum interessant sein könnte, schließlich begibt sich dieses kaum freiwillig auf solches Terrain. Irgendwie ist es fast niedlich, wie Friedkin dem Zuschauer den Hanky Code beibringt. 

Friedkin ist der Einblick in eine Männerwelt gelungen, die sich vor allem maskulin, in Jeans und Leder gekleidet präsentiert und so ein anderes Bild zeichnet als das oft schrille und bunte, was viele Nicht-Homos bis heute immer noch haben. Andererseits werden Klischeebilder auch von homosexueller Seite nur allzu gerne aufrechterhalten. Wie dem auch sei, Friedkin hat hier ein paar eindringliche Momente geschaffen, die Männer in Ekstase zeigen, wie sie sich streicheln, küssen, schaukeln, Drogen nehmen, sich komplett fallen lassen und oft blind vertrauen. Dieses blinde Vertrauen sollte man besser nicht haben, was die Opfer des Killers, kurz bevor sie ins Jenseits schreiten, feststellen müssen. 

Friedkin zeichnet ein beeindruckend düsteres Bild von New York City, was wie ein finsterer Moloch daherkommt, der dich jederzeit schlucken kann, egal wo. So sind es hier auch Cops, die zur Gefahr von Strichern werden. Joe Spinell (MANIAC, 1980) spielt als Streifenpolizist DiSimone einen von denen, die sich durch Machtmissbrauch Oralsex erzwingen. Die Polizei, dein Freund und Schänder trifft hier zumindest teilweise zu, aber man ist auch zum Beginn der 1980er-Jahre. 

Die Wahl, Al Pacino als Steve Burns zu besetzen, hätte kaum besser sein können, und es ist faszinierend wie viele ähnliche Typen in CRUISING auftauchen, um eine Anonymisierung aufzubauen und den Zuschauer zu verwirren. Pacino ist natürlich das Paradebeispiel für einen maskulinen Mann der 80er-Jahre, doch in ihm als Steve Burns ist eine unglaublich sanfte Ader, die es ihm ermöglicht, an seinen Job zu zweifeln. Ähnliches spürt man bei seinem Vorgesetzten Capt. Edelson, der glänzend von Paul Sorvino verkörpert wird. 

Friedkin vertieft sich dennoch nicht allzu sehr auf die Figuren, sondern konzentriert sich mehr auf den Spannungsaufbau der drohenden Gefahr, in der sie sich bewegen. Hier sei nicht nur das Visuelle gelobt, wenn die Lederkerle durch die Gassen und Parks schleichen, sondern auch die Soundebene, die einem das Knirschen von Leder und das Klirren von Metall eindrucksvoll vor Ohren führt. Der Score von Jack Nitzsche, der manchmal etwas nach John Carpenter klingt, spielt sich leise im Hintergrund ab, dafür bekommen die Songs mehr Aufmerksamkeit. „Heat of the Moment“ von Willy DeVille und „Spy Boy“ von John Hiatt passen perfekt. 

Friedkin hat mit CRUISING einen geschickten, packenden Serienmörder-Thriller abgeliefert, der sich auf einem brisanten wie interessanten Spielfeld bewegt, aus dem er nicht einmal heraustritt. Wunderbar. 

(Bjoern Candidus)

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