LISA – STIMME DES TODES
(LISA, USA, 1990, Regie: Gary Sherman)
Die 14-jährige Lisa entdeckt die Lust auf Jungs, doch ihre Mutter ist gar nicht begeistert. Während sich ihre Freundin Wendy auf einen Jungen einlässt, hütet Lisa ihr Zimmer. Dann läuft sie in der Nachbarschaft einem gutaussehenden Mann namens Richard über den Weg, dessen Telefonnummer sie herausfindet. Sie ruft ihn an, um ihn am Telefon zu verführen. Doch eigentlich plant sie Richard mit ihrer Mutter zu verkuppeln, nichts ahnend, dass es sich bei ihm um einen gesuchten Serienmörder handelt.
Gary Sherman hat ein paar richtig gute Filme inszeniert. Sein Horrorfilm-Debüt feierte er mit dem düsteren TUNNEL DER LEBENDEN LEICHEN (1972). Es folgte TOT & BEGRABEN (1981), sein stärkster Film, wie ich finde, und anschließend NACHTRATTEN (1982). In den späten 80er-Jahren lieferte er mit POLTERGEIST 3 (1988) eine durchaus unterhaltsame Fortsetzung zu Spielbergs Klassiker. Mit LISA – STIMME DES TODES konnte er die Stärken seiner früheren Filme leider nicht aufbringen.
Dass MGM den Film ursprünglich direkt auf Video vermarkten wollte, sieht man nicht nur schnell, sondern man hört es auch am Score von Joe Renzetti der einen direkt einlullt. Pastelltöne und langweilige Inneneinrichtungen, die bereits die 90er-Jahre einläuten, untermauern die Ausdruckslosigkeit, die einem hier erst mal begegnet. Alles ist auch viel zu hell ausgeleuchtet. Erst ab der zweiten Hälfte kommt ein bisschen mehr Atmosphäre in die Inszenierung, und immerhin ist das Apartment von Richard schön finster in Szene gesetzt.
Unter dem Strich gelingt es Sherman einfach zu selten, Spannung aufzubauen. Alles liegt auf der Hand. Stattdessen gibt es ständige Diskussionen zwischen Mutter Katherine und Tochter Lisa, die sich mit den zahlreichen Telefonaten mit Richard abwechseln. Als Serienmörder tritt der auch nur selten in Erscheinung und tut eigentlich nicht viel außer zu telefonieren oder sich von A nach B zu bewegen. Dargestellt wird Richard von D.W. Moffett, der in seiner Rolle ziemlich ausdruckslos bleibt. Wesentlich mehr Power kommt mit Staci Keanan als Lisa in den Film. Die damals gerade mal 15-jährige Keanan spielt richtig gut und versprüht, das Charisma, was hier sonst keiner aufbringen konnte, schon gar nicht ihre Mutter, die von Cheryl Ladd verkörpert wird, die so spannend ist wie eine Briefmarkensammlung.
Die Prämisse von LISA – STIMME DES TODES ist gar nicht uninteressant und Sherman hatte Glück, eine so begabte Jungdarstellerin zu bekommen, doch leider funktioniert sein Film weder als Home Invasion- noch als Serienmörder-Thriller.
(Bjoern Candidus)
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