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Blue Sunshine, 1977 – ★★★★

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

BLUE SUNSHINE
(USA, 1977, Regie: Jeff Lieberman)

Auf einer Party dreht plötzlich ein Mann durch, der eine Frau in einen Kamin stößt. Es kommt zur Panik unter den Gästen, die in einer Verfolgungsjagd endet, bei der der Angreifer von dem Partygast Jerry Zipkin vor einen fahrenden LKW gestoßen wird. Während die Polizei auf der Suche nach Zipkin ist, versucht dieser im Alleingang herauszufinden, was hinter dem Angriff steckt und warum der Täter alle Haare verloren hat.  

Nachdem Jeff Lieberman mit SQUIRM – INVASION DER BESTIEN (1976) auf den Tierhorror-Zug aufsprang blickte er mit BLUE SUNSHINE in eine ganz anderen Richtung. Zeitlich nicht unpassend, widmet sich Lieberman, der auch die Story und das Drehbuch schrieb, hier dem Thema Drogen und ihre Spätfolgen.

Von der Titel-Sequenz an, die einen blauen Vollmond zeigt, baut Lieberman eine dichte Atmosphäre der Bedrohung auf, die nicht lange auf sich warten lässt. Schnell verliert der erste Mensch seine Haare, wird aggressiv und stößt eine Frau in einen Kamin, was ziemlich garstig inszeniert wurde. Der ganze Film, samt den meisten Figuren, wirkt unangenehm und ausladend, und genau daraus zieht BLUE SUNSHINE seine Kraft. Stilistisch und inhaltlich muss ich hier immer wieder an das frühe Werk von David Cronenberg denken, was emotional extrem unterkühlt daherkommt. Lieberman legt zwar auf die psychologischen Aspekte der Figuren weniger Wert, schafft es aber diese durch ihre geistigen und körperlichen Veränderungen zu intensivieren. Abstriche muss man lediglich bei den angeklebten Latexglatzen machen, die leider viel zu sehr die Ansätze erkennen lassen. 

Durch den Wut-Modus, in den die ehemaligen Konsumenten der Droge Blue Sunshine geraten, nimmt Lieberman einen GROSSANGRIFF DER ZOMBIES (1980) und 28 DAYS LATER (2002) ein wenig vorweg, dennoch hat er das Rad nicht neu erfunden, denn I DRINK YOUR BLOOD hat bereits 1970 in eine ähnliche Kerbe geschlagen, in dem die Tollwut um sich schlägt. Wer hier aber durch wen inspiriert wurde, ist freilich egal, denn am Ende zählt das Ergebnis und BLUE SUNSHINE ist in seiner Gesamtheit ein gelungenes, wie ich finde.

Besonders gefällt mir hier der realistische Anstrich. Man bewegt sich meist in modernen 70er-Jahre-Wohnungen oder hält sich im Finale in einem Kaufhaus auf, was sogar ein bisschen einen DAWN OF THE DEAD (1978) vorwegnimmt. Doch leider liefert Lieberman keine Romero-Figuren, deren Sympathie auf meiner Seite wären. Zalman King macht als Jerry Zipkin einen sehr unsympathischen Eindruck, was aber okay ist, schließlich befindet sich seine Figur in einer außerordentlichen Stresssituation, wie eigentlich jeder in BLUE SUNSHINE.

Trotz seines Horrorfilm-Anteils, der immer wieder durchbricht, ohne unnötig explizit zu werden, bewegt sich die Geschichte auch in einem Krimi-Rahmen, in dem Jerry Zipkin seine Unschuld anhand von Fakten beweisen muss. Das erhöht die Spannung und lässt die ausladenden Figuren etwas vergessen. Zudem geht Lieberman mit einem guten Tempo vor, in dem er keine Zeit für Langweile lässt. Eine nicht zu unterschätzende Wirkung hat auch der Score von Charles Gross, der sowohl unheimlich als auch experimentell klingt und die Bedrohungslage stets hoch hält.

Auch wenn BLUE SUNSHINE keine wirklichen Innovationen liefert, ist Lieberman ein spannender, konsequenter Horrorfilm mit verstörten Figuren gelungen, der sich von jeglichem Humor oder überflüssigem Gequatsche fernhält. 

(Bjoern Candidus)

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