FAHRT ZUR HÖLLE, IHR HALUNKEN (GLI SPECIALISTI, Italien, Frankreich, 1969, Regie: Sergio Corbucci)
Hud kommt in die kleine Stadt Blackstone, in der einst sein Bruder unschuldig hingerichtet wurde. Außerdem soll sein Bruder eine ordentliche Summe Geld versteckt haben, auf das gleich mehrere Parteien scharf sind. Rache ist sein Ziel, aber Blackstone ist ein gefährlicher Ort. Die mächtigen Männer der Stadt, der Sheriff und El Diabolo und seine Bande sind nicht weit.
Sergio Corbuccis (LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG, 1968) Western sind immer auf hohem handwerklichen Niveau, hervorragend fotografiert, packend erzählt und gut besetzt, und FAHRT ZUR HÖLLE, IHR HALUNKEN bildet da keine Ausnahme.
Das Erste, was einem hier in die Augen springt, ist die wunderschöne Naturlandschaft. Das bekannte staubige Wüstensetting weicht Bergen, Wäldern, saftigen Wiesen und Flüssen, die sich durch die Täler schlängeln. Die Außenaufnahmen entstanden in Cortina d‘ Ampezzo, einer Gegend für Winter- und Bergsport in Venetien. Vor dieser Landschaft reitet Hud (Brad in der dt. Synchronisation), der von Johnny Hallyday verkörpert wird. Der macht was her und wirkt mit seinem blonden Haar und seinem Kettenhemd fast wie ein Ritter. Der direkte Kontrast kommt von Gastone Moschin, der als Sheriff ziemlich sympathisch wirkt und in der Gegend, für die er zuständig ist, Schusswaffen verboten hat. So viel Verstand ist mir noch in keinem anderen Italowestern begegnet. Dreckig und brutal wird es mit dem Dritten in Bunde: Mario Adorf als einarmiger Mexikaner El Diabolo. Adorf darf hier richtig fies sein, und man sieht ihm seine Freude dabei förmlich an. Den weiblichen Part bekleidet Françoise Fabian als durchtriebene Virginia Pollicut, für die man die härteste Szene (Massenvergewaltigung) parat hält. Zudem gibt es noch eine Handvoll (Pre-)Hippies, die sich passend in das Handlungsgeflecht einbauen, da hier auch eine Kapitalismuskritik mitschwingt, die im großartigen Finale richtig durchbricht. Etwas zurückhaltend wirkt hingegen der Score von Angelo Fracensco Lavagnino, der trotzdem sehr schön ist und die edlen Bilder abrundet.
Trotz ein paar Längen ist FAHRT ZUR HÖLLE, IHR HALUNKEN ein packend inszenierter, gut besetzter Italowestern, der finster, dreckig, zynisch und brutal daherkommt.
(Bjoern Candidus)
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