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Dark Glasses, 2022 – ★★½

Verfasst von

marco-fritz

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Rezensionen

DARK GLASSES
(OCCHIALI NERI, Italien, Frankreich, 2022, Regie: Dario Argento) 

In Rom treibt sich ein Serienmörder herum, der es auf Prostituierte abgesehen hat. Diana steht als nächste auf der Liste des Killers. Doch die junge Frau kann ihrer Ermordung entkommen, baut aber auf der Flucht einen Autounfall, durch den sie erblindet. Gemeinsam mit einem kleinen Jungen, dessen Eltern durch Folge des Unfalls gestorben sind, flüchtet sie vor dem Täter, der sein Werk beenden möchte. 

Nach der rasanten Entwöhnung von sicherer Qualität aus dem Hause Argento, keimte natürlich so gut wie keine Hoffnung auf, als es hieß, Argento dreht einen neuen Film. Zehn Jahre nach seinem üblen DRACULA 3D (2012) wollte er es noch mal mit einem Giallo versuchen.

DARK GLASSES startet ruhig und atmosphärisch im Nachtleben von Rom, wo sich reiche Männer mit Prostituierten in ihren Suiten treffen. Schnell wird man mit einem Kehlenschnitt-Mord belohnt, der durchaus Argentos Handschrift erkennen lässt. Besonders innovativ sind die Effekt aus Sergio Stivalettis Schmiede jedoch nicht. Der weitere Verlauf, in dem dann die Protagonistin Diana vorgestelltgestellt und attackiert wird, liefert noch ein bisschen Spannung. Anfangs darf man sich über ein paar visuelle Spielereien freuen. Kamerafahrten, Blaulicht-Geflacker, Reflexionen und Spiegelungen versprechen eine schöne Inszenierung. Außerdem hat Argento schöne Schauplätze gefunden, die innen wie außen sehr einladend sind. Der elektronische Score von Arnaud Rebotini ist für Argento ungewöhnlich, passt aber insgesamt gut.  

Doch nach den ersten 20 Minuten beginnt DARK GLASSES bereits zu schwächeln. Das liegt vor allem an den Figuren. Ilenia Pastorelli ist zwar eine kleine Schönheit, doch ihr Schauspiel wackelt hin und her. Man muss ihr zugute heißen, dass sie eine Blinde spielt, die dementsprechend eingeschränkt ist. Noch talentloser ist der kleine Andrea Zhang als Chin, dem natürlich nichts vorzuwerfen ist, da es sich um einen Kinderdarsteller handelt, der sicherlich sein Bestes gegeben hat. Dass so ein ungleiches Paar von Argento besser inszeniert werden kann, hat er bereits mit DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE (1971) bewiesen. Asia Argento ist auch mal wieder an Bord, die hier als Sozialarbeiterin Rita auch keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Mit ihren roten Chucks und ihren bunten Hemdchen wirkt sie erschreckend langweilig. Und wie es sich für einen guten oder auch nicht guten Giallo gehört, braucht es noch einen Täter Mit diesem hat Argento das nächste faule Ei gelegt. Hatte er schon in GIALLO (2009) mit seinem „Simpson“ ins Klo gegriffen, ist er hier quasi in der Kanalisation angekommen. Es wurde erst gar nicht versucht, irgendwas überraschendes zu bieten. Es gibt nicht mal ein Motiv, außer dass sich die Frauen über seinen Körpergeruch beschweren, zumindest Rita. 

Nicht dass Argento sonst große Geschichten erzählt hat, aber sie haben mich meistens mitnehmen können, weil auch die Figuren sympathisch gezeichnet wurden. Verschrobene, verdächtige, mysteriöse bis skurrile und alberne Figuren machen sein Werk aus. Hier hat man es nur mit eindimensionalen Objekten zu tun, die für keine Überraschung sorgen. DARK GLASSES erzählt eigentlich gar nichts. Ab der Hälfte besteht der Film fast nur noch aus der Flucht vor dem Killer, die teils unlogisch zusammengeschnitten wurde und jegliche Spannung und Innovation vermissen lässt, es sein denn, man feiert höchst aggressive Wasserschlangen ab, die sich im Umland von Rom tummeln, jedoch nur im Kosmos von diesem Film. Bei SUSPIRIA (1977) hätte ich die akzeptiert, hier bin ich intolerant. Vielleicht wurden die Biester aber auch nur durch die Sonnenfinsternis nach Rom teleportiert, aus der man sonst schon nichts gemacht hat. 

Im großen Ganzen ist DARK GLASSES schaubar, wenn man nicht mehr als einen Killer-jagt-Opfer-Film erwartet, der von jedem anderen Regisseur hätte inszeniert werden können. Argentos anfängliche Handschrift verschwimmt mit fortschreitender Spielzeit. Ein müdes Spätwerk eines Meisters. 

(Bjoern Candidus)

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