DAS KABINETT DES SCHRECKENS
(THE FUNHOUSE, USA, 1981, Regie: Tobe Hooper)
Die vier Jugendlichen Amy, Liz, Buzz und Richie beschließen auf dem Rummelplatz, sich über Nacht in einer Geisterbahn einzuquartieren. Ein Fehler mit gravierenden Folgen. Erst werden sie Zeuge eines Mordes einer Wahrsagerin, dann geraten sie selbst ins Visier des Täters, der sich als der monströse Sohn des Geisterbahn-Betreibers Mr. Barker herausstellt. Eingesperrt in der Geisterbahn werden die Vier von Vater und Sohn gejagt.
Nachdem Hooper für das US-Fernsehen den Zweiteiler BRENNEN MUSS SALEM (1979) inszenierte, sollte er mit DAS KABINETT DES SCHRECKENS den Pfad des Terror-Kinos wieder aufnehmen, den er mit TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) und EATEN ALIVE (1977) geprägt hat.
Mit DAS KABINETT DES SCHRECKENS schlägt Hooper etwas sanftere Töne an, was nicht heißen soll, der Film sei harmlos. Erstaunlich ist der lange Aufbau der Geschichte. Es vergehen 50 Minuten, bevor sich langsam die Gefahr für die Jugendlichen abzeichnet. Davor wird man mit zahlreichen Rummelplatz-Impressionen beliefert. Bunte Fahrgeschäfte, ein Abnormitätenkabinett, ein Zauberer und eine grantige Wahrsagerin beseelen das Geschehen, mit dem sich Hooper viel Zeit lässt, es zu inszenieren. Langweilig ist das nicht, aber auch nicht spannend. Vielmehr fällt hier wieder Hoopers Geschick auf, Figuren zu inszenieren, die nicht ganz dicht sind. Sylvia Miles als aggressive Wahrsagerin ist eine dieser Figuren. Auch Frankensteins Monster hat ein paar Auftritte. Einmal sieht man ihn auf einem Poster, dann als Modellfigur und mal als Latexmaske, die der Sohn des Geisterbahn-Betreibers auf dem Kopf trägt, um sein ebenso hässliches Gesicht zu verbergen.
Wenn DAS KABINETT DES SCHRECKENS dann endlich in den gewünschten Terror-Modus umschlägt, ist Hooper nicht mehr zu halten. In Sachen explizitem Gore hält sich er zurück und konzentriert sich mehr auf Verfolgung und Verstecken in einer Geisterbahn. Diese ist ziemlich atmosphärisch inszeniert und zeigt sich mit bunten Lichtern und schönen Geisterfiguren. Besonders die ratternden und dampfenden Maschinen, die die Geisterbahn aktivieren, wurden packend inszeniert und tragen zur beklemmenden Atmosphäre bei.
Seinen familiären Traditionen bleibt Hooper auch hier treu. In DAS KABINETT DES SCHRECKENS ist es Kevin Conway als ekliger Mr. Barker, der mit seinem entstellten Sohn die Geisterbahn „Funhouse“ betreibt. Das Monster-Design des Sohn ist schön fies geraten und kommt besonders zur Geltung, wenn er geil wird und ficken will und anfängt zu sabbern. Und Kevin Conway passt ebenfalls perfekt in eine Reihe mit Jim Siedow (TEXAS CHAINSAW MASSACRE) und Neville Brand (EATEN ALIVE).
Die Intensität seiner vorherigen Terrorfilme erreicht Hooper mit DAS KABINETT DES SCHRECKENS nicht. Sein Film orientiert sich mehr an die damals aktuelle Slasher-Welle. Was auffällt sind die sympathischen Opfer-Figuren. Besonders Elizabeth Berridge als Amy Harper hat mir gut gefallen.
DAS KABINETT DES SCHRECKENS ist ein bunter, bizarrer Geisterbahn-Terror-Slasher, der noch deutlich Hoopers Handschrift trägt, die im weiteren Verlauf seiner Karriere immer mehr verblasste.
(Bjoern Candidus)
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