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Reflection in a Dead Diamond, 2025 – ★★½

Verfasst von

marco-fritz

in

Rezensionen

REFLECTION IN A DEAD DIAMOND
(REFLET DANS UN DIAMANT MORT, Belgien, Luxemburg, Italien, Frankreich, 2025, Regie: Hélène Cattet und Bruno Forzani)

Der Geheimagent John D. fährt sein wildes Leben in einem Hotel an der Côte d’Azur herunter. Neben dem Alkohol, den er sich stets anschreiben lässt, interessiert er sich auch für seine Zimmernachbarin. Doch als die spurlos verschwindet, sieht er sich plötzlich wieder mit seiner Vergangenheit konfrontiert, in der noch nicht alles abgeschlossen wurde.

AMER – DIE DUNKLE SEITE DEINER TRÄUME (2009), DER TOD WEINT ROTE TRÄNEN (2013), LEICHEN UNTER BRENNENDER SONNE (2017) und REFLECTION IN A DEAD DIAMOND haben eine Sache gemeinsam: es sind allesamt wunderschöne, höchst kreative Verneigungen vor dem italienischen Genrekino der 60er – 80er-Jahre. Ob Giallo, Poliziottesco, Gangsterfilm oder wie hier der Agentenfilm, das Regie-Duo Hélène Cattet und Bruno Forzani versteht es, zumindest die visuellen Aspekte dieser Spielfelder zu reproduzieren. Doch wie in den vorangegangenen Filmen wird auch in REFLECTION IN A DEAD DIAMOND keine spannende Geschichte erzählt, der man gebannt lauschen kann. Einmal mehr sind es in erster Linie die Bilder, die etwas erzählen und oftmals der eigenen Interpretation unterliegen. Hier ergießt sich einem erneut eine Flut voller hoch stilisierter Bilder, die zwar teilweise betörend schön, aber in ihrer Gesamtheit einfach zu viel des Guten sind. Nach 20 Minuten hatte ich schon fast genug von meinem inneren „Oh wie schön…“ und habe mich nach einer Handlung in Form eines Dialogs gesehnt, der mich auf eine spannende Geschichte mitnimmt, in der dann gerne auch mal ein paar schöne Spielereien auf einen warten. Stattdessen schleudern einem Cattet und Forzani immer noch mehr abgedrehte Bilder in die Augen. Selbst die obligatorische Verwendung bekannter Musikstücke (hier u.a. Nora Orlandi, Bruno Nicolai, Ennio Morricone, Stelvio Cipriani) konnte mich kaum erreichen, weil mich die Flut der Bilder fast ertränkt hat. 

Was grundsätzlich gut funktioniert, sind die jeweiligen Genres erkenntlich zu machen, die das Regie-Duo zitiert. Bei REFLECTION IN A DEAD DIAMOND ist es der 60er-Jahre Agentenfilm, der weltweit von James Bond angeführt wurde, aber auch in Italien durchaus eigenständig vertreten war. Der (Anti-)Held Diabolik erschien 1962 in Form von Comics, die in Italien so beliebt waren, dass Mario Bava 1968 mit GEFAHR: DIABOLIK! eine Verfilmung lieferte. Dass die Meisterdiebin in diesem Film Serpentik heißt und ebenfalls in einem schwarzen Leather-Suit herumläuft, bei dem lediglich die Augenpartien ausgespart wurden, ist also kein Zufall. 

Ein in die Jahre gekommener Fabio Testi als Geheimagent John D. in einem Hotel an der Côte d’Azur, stylische Geheimverstecke, Autoverfolgungsjagden, Fetisch-Mode, bizarre bondartige Gadgets, Masken, Diamanten, Reflexionen, Spiegelungen, knallige Farben, Samuraischwerter, Blut, zerfetzte Haut und und und erwecken erneut den Eindruck, Cattet und Forzani hätten eine große Genre-Spielzeugkiste umgestoßen und sich immer frei nach Gefühl bedient. 

REFLECTION IN A DEAD DIAMOND ist ein visuell schöner, aber völlig überladener Film, der mich leider ziemlich gelangweilt hat. 

(Bjoern Candidus)

←The Guest, 2014 – ★★★½
Only God Forgives, 2013 – ★★★★½→

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