THE NEON DEMON
(Dänemark, Frankreich, USA, 2016, Regie: Nicolas Winding Refn)
Die 16-jährige Jesse kommt nach L.A., um dort Karriere als Model zu machen. Ihre natürliche Schönheit bringt sie schnell weiter, sorgt aber auch für Missgunst und Eifersucht unter ihren Mitbewerberinnen. Mit ihrem Erfolg, den sie bei dem Fotograf Jack hat, scheint sie ihrem Ziel ganz nahe zu kommen, doch ihre Schönheit wird ihr immer mehr zum Verhängnis.
Nicolas Winding Refns finstere Rachewelt von ONLY GOD FORGIVES (2013) wechselt in THE NEON DEMON in eine sterile Welt der Modebranche, in der Agenturen und Fotografen Models wie Ware behandeln, die sie nach Lust und Laune benutzen oder ausmisten. Wie in DRIVE (2011) ist auch hier die Story wieder in L.A. angesiedelt, wo sich die Schönen und Reichen die Klinke in die Hand geben.
THE NEON DEMON präsentiert sich als eiskalter Film mit einer unangenehmen Atmosphäre in der sich eine unsympathische Figur nach der anderen auftut. Die Protagonistin Jesse, dargestellt von Elle Fanning, wirkt unnahbar, kalt und ist weit weniger zerbrechlich als der Anschein, den sie macht. Bis auf Dean (Karl Glusman), der schnell erkennt, das die Modelwelt sie nur zerstören kann, versammeln sich nur Hyänen um Jesse, und die wollen vor allem eins: ihre natürliche Schönheit, die sie selbst nicht besitzen und sich deshalb ständig Schönheits-OPs unterziehen. Schönheitswahn, Oberflächlichkeit, Eifersucht und Machspiele beherrschen das Geschehen, welches Refn immer mehr zuspitzt, bis man sich in kannibalistischen Gefilden befindet, die historische Figuren wie Elisabeth Báthory in Erinnerung rufen. Aber es sind auch Filme wie SUSPIRIA (1977) und MULHOLLAND DRIVE (2001), die aufblitzen und Refns Inspirationen offenlegen.
Auch THE NEON DEMON besticht durch eine hervorragende Fotografie, jedes Bild ist ein Kunstwerk, was sich in leuchtenden Farben präsentiert. Begleitet wird der stylische Alptraum erneut von Cliff Martinez elektrisierenden Electro-Klängen, die mich schon in DRIVE und ONLY GOD FORGIVES zum vibrieren gebracht haben.
Trotz einer spannenden Story mit sehr guten Darstellern und atmosphärischen, surrealen Bildern, konnte mich THE NEON DEMON nicht ganz so abholen wie Refns Vorgänger DRIVE und ONLY GOD FORGIVES.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar