DRIVE
(USA, 2011, Regie: Nicolas Winding Refn)
Tagsüber arbeitet der „Driver“ als Automechaniker und Stuntfahrer, nachts bietet er seine Dienste als Fluchtwagenfahrer an. Plötzlich verliebt er sich und gerät in einen Strudel der Gewalt.
Es gibt Filme, die sich von der ersten Minute an sofort in mein Herz bohren und meine Emotionen auf eine Achterbahnfahrt schicken, die Atmosphären aufbauen, die mich vereinnahmen und unweigerlich aufsaugen.
DRIVE startet in der Nacht, in einem von Lichtern durchzogenen L.A., in dem Ryan Gosling als „Driver“ unterwegs ist, der von Cliff Martinez wummernden Score begleitet wird. Schweigsam und hoch konzentriert sitzt Gosling in seinem silbernen Chevi Impala und wartet darauf, seinen Auftrag zu erledigen, der darin besteht, zwei Diebe vom Ort ihres Verbrechens zur Flucht zu verhelfen. Nach diesem sehr spannenden Auftakt, setzt Entspannung ein und man bekommt langsam wieder Boden unter den Füßen, um sich in dem Universum von DRIVE umzuschauen und die Figuren kennenzulernen. Ryan Gosling wirkt als „Driver“ fast wie eine mystische Figur, die ihren eigenen Regeln folgt. Er ist schön, wortkarg, cool, geschickt, steckt voller Gewalt und ist für die Liebe hoch empfänglich, was er feststellen muss, als ihm seine Nachbarin Irene über den Weg läuft, die von Carey Mulligan verkörpert wird. Das Eis schmilzt auf der Stelle, und wenn die beiden ihrer unausgesprochenen Verliebtheit entgegensegeln, wird die Inszenierung von einem goldgelben Licht durchflutet, was manchmal fast traumartig wirkt. Doch immer, wenn man sich dem Glanz der Liebe hingibt, ist ein Beben nicht weit und DRIVE zeigt sich plötzlich von seiner gewalttätigen und brachialen Seite. Einmal wird eine Kehle durchgeschnitten, mal wird ein Kopf weggeschossen, und Gosling darf sogar einen Kopf mit dem Fuß zerstampfen. Albert Brooks als Bernie Rose und Ron Perlman als Nino verkörpern hier die Arschlöcher, was ihnen spielend gelingt. Besonders Rose hinterlässt einen bleibenden Eindruck, wenn er seine Unliebsamen selbst aus dem Verkehr zieht. In dieser Hinsicht gibt er eine Vorschau auf Lt. Chang aus Refns nachfolgenden Film ONLY GOD FORGIVES (2013).
DRIVE ist herrlich ausgewogen, alles sitzt, nichts ist zu viel, nichts zu wenig. Refn räumt den Figuren viel Leben ein, ohne sie auszureizen. Und wenn es nicht die Figuren sind, die sich ohnehin nur spärlich unterhalten, dann ist es der Score von Cliff Martinez oder die Songs von Kavinsky, den Chromatics oder Riz Ortolani, die DRIVE beflügeln. Es braucht keine komplexen Geschichten, um spannend zu unterhalten.
DRIVE ist perfektes Thriller-Kino und gehört für mich zu meinen absoluten Lieblingsfilmen des 21. Jahrhunderts.
(Bjoern Candidus)
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