THE DEVIL‘S HONEY
(IL MIELE DEL DIAVOLO, Italien, Spanien, USA, 1986, Regie: Lucio Fulci)
Jessica ist völlig vernarrt in den Saxophonisten Johnny. Der ist hingegen ein ziemlicher Macho und spielt mit Jessica, wo er nur kann. Als Johnny einen Unfall hat und spät aufgrund einer Verletzung im Krankenhaus bei einer OP verstirbt, scheidet Jessica Rache und entführt den verantwortlichen Arzt Dr. Wendell Simpson, der um sein Leben fürchten muss.
Von Beginn an zeichnet sich Fulcis Werk durch abwechslungsreiche Themenfelder aus. Von der Komödie bis zum Western, vom Giallo bis zum Horrorfilm ist alles dabei, was im italienischen Genrekino Erfolg versprach. Nach seinen atmosphärischen und äußerst blutrünstigen Filmen Anfang der 80er-Jahre hat Fulci mit THE DEVIL‘S HONEY andere Töne angeschlagen, die jedoch nicht weniger in sein negatives Weltbild seiner Filme passen. Ehebruch, Gewalt, der Verlust geliebter Menschen und der tiefe Wunsch nach Rache sind keine Gute-Laune-Themen.
Grundsätzlich ist die Story von THE DEVIL‘S HONEY gar nicht schlecht und erinnert etwas an Fulcis Story und Drehbuch zu DER KÄFIG (1985), den Giuseppe Patroni Griffi inszeniert hat. Doch leider schläfert einen die Inszenierung bereits von Anfang an ein, was vor allem an der fürchterlichen musikalischen Begleitung liegt. Ich habe nichts gegen den Einsatz von Saxophonen, aber die Schwülstigkeit, mit der man hier vorgeht, ist unerträglich. THE DEVIL‘S HONEY hält einen wie in einer Blase gefangen, in der man langsam durch Sauerstoffarmut müde wird. Geweckt wird man zwischendurch von ein paar bizarren Erotik-Szenen. Das Highlight in diesem Bereich dürfte das direkte Saxophonspiel von Johnny unterhalb von Jessicas Vagina sein. Dagegen wirkt selbst der anschließende Sex auf einem fahrenden Motorrad wie Stangenware. Ein paar sadistische Szenen mit sexualisierter Gewalt dürfen in dem Konstrukt natürlich auch nicht fehlen, denn man ist schließlich immer noch bei Fulci. Das merkt man vor allem auch bei den Figuren, die in seinem Werk selten sympathisch sind. In THE DEVIL‘S HONEY sind sie alle ätzend, und mit Blanca Marsillach wurde leider auch keine besonders talentierte Dame besetzt. Ihr Schauspiel wirkt zu gekünstelt und aufgesetzt. Nicht viel besser ist Stefano Madia als Johnny, der sich als Temu-Version eines Mickey Rourke präsentiert und dabei auch noch das Saxophon spielt. Etwas mehr Können gibt es mit Brett Halsey als Dr. Wendell Simpson, doch der liegt nach der hälfte in Ketten.
Trotz guter Ansätze ist THE DEVIL‘S HONEY in seiner Umsetzung ein zähes Erotik-Thriller-Drama, was lediglich für Fulci-Fans interessant sein dürfte.
(Bjoern Candidus)
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