VIER SCHLITZAUGEN RECHNEN AB
(SI DAI BO QUAN, Hongkong, 1979, Regie: Chung Kuo-Jen)
Wenn der Meister ruft, muss man kommen, sonst droht eine Bestrafung, wie es das Gesetz sagt. Chen Lei folgt dem Gesetz und schneidet seinem Onkel das Bein und einen Arm ab, um sie seinem Meister zu bringen. Der ist trotz des Gesetzes erschreckt über die Tat, was er gesundheitlich schnell zu spüren bekommt. Chen Lei, der hofft, der neue Meister des Hung Clans zu werden, wird verstoßen, bevor ihm der machtgierige Ma Chin Hui das Bein so bricht, dass er auf Lebzeit verkrüppelt ist. Als er ihm dann auch noch seine Frau und sein Kind wegnimmt, ist Chen Lei ein gebrochener Mann. 16 Jahre später, herrscht Ma Chin Hui immer noch und verbreitet Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Immer wieder lässt er Menschen foltern oder macht sie zu Krüppeln. Doch als sich drei Opfer zusammentun und auf Chen Lei aufmerksam werden, bildet der sie in Kung-Fu für Menschen mit Behinderung aus und tritt mit ihnen einen Rachefeldzug gegen Ma Chin Hui an.
Chung Kuo-Jen wandelt hier auf Pfaden von VIER GNADENLOSE RÄCHER (1978) aus dem Shaw Brothers Haus und lässt vier körperlich beeinträchtigte Menschen auf einen Tyrannen los, was mitunter äußerst amüsant geraten ist.
Die Idee an sich ist schon toll. Einer humpelt, einer ist taubstumm, der andere blind, und der vierte im Bunde hat nur noch einen Arm, und zusammen gründen sie ein Team, was nur gemeinsam so stark ist, um Ma Chin Hui zu vernichten. Eine klare Botschaft, und VIER SCHLITZAUGEN RECHNEN AB verbreitet sie auf höchst unterhaltsame Art, die nicht nur Grausamkeiten (inkl. einer Vergewaltigung und dem Abtrennen von Körperteilen) und coole Kämpfe mitbringt, sondern durchaus auch Humor. Der ist glücklicherweise kaum bis gar nicht klamaukig, aber manchmal etwas bizarr und ekelhaft. Die Mischung macht es und sorgt vor allem dafür, dass VIER SCHLITZAUGEN RECHNEN AB nicht eine Minute langweilig ist.
Zeitlich bewegt man sich nach der bürgerlichen Revolution in China nach 1912. Man darf sich auf chinesische Architektur freuen, bewegt sich aber auch viel im Grünen, wo das Kung-Fu-Training unter der Leitung von Chen Lei stattfindet. Sehr schön ist auch die Szene, in der man Zeuge des „fliegenden Spiral-Ellbogens“ wird, den Chen Leis Tochter (und ein Double) ausführt.
Handwerklich ist VIER SCHLITZAUGEN RECHNEN AB absolut hochwertig. Die Kämpfe sind sauber inszeniert, die Fotografie ist toll, die Kostüme sehen edel aus und man darf sich auf eine gute Besetzung freuen. Chen Lei wird von Ku Feng verkörpert, der wie ein entspannter Teddy wirkt, vor allem im Vergleich zu Kei-Ying Cheng, der den machtgeilen und exzentrischen Ma Chin Hui spielt.
VIER SCHLITZAUGEN RECHNEN AB zeigt sich mal witzig, mal garstig, mal voller Action und Gewalt und liefert eine schöne Rachegeschichte mit coolen Figuren.
(Bjoern Candidus)
Schreibe einen Kommentar